Bei einem Besuch im Headquarter von Bugaboo in Amsterdam konnte Luna Journal sich unter anderem mit dem Gründer über die Philosophie und die Strategie der Marke unterhalten sowie die Babyschale Turtle und den brandneuen Kinderwagen Bugaboo Ant in Augenschein nehmen.

1999 hob Bugaboo die Kinderwagen auf ein neues Level an Design, Funktionalität und Begehrtheit. Alles begann an der Design Academy in Eindhoven. Dort studierte Max Barenbrug und wählte als Thema für sein Abschlussprojekt einen Kinderwagen. Damit wollte er Männer inspirieren und nahm – damals noch kinderlos – einen komplett anderen Ausgangspunkt ein. Das Ergebnis war ein Modell, bei dem die großen Räder wahlweise vorne oder hinten sein konnten. Der Clou war der umkehrbare Lenker. So war der Kinderwagen für jeden Untergrund geeignet.

Bis der erste Bugaboo Kinderwagen die Straßen eroberte, dauerte es noch fünf Jahre. 1997 präsentierte Max Barenbrug auf der Kind + Jugend Messe in Köln den ersten Prototyp – ein voller Erfolg. 1999 fiel dann der Startschuss: Der erste Kinderwagen von Bugaboo kam auf den Markt. Mit ihm wurde der Kinderwagen zum Lifestyle-Objekt und Statussymbol. Luna Journal hat Max Barenbrug zum 20-jährigen Jubiläum von Bugaboo gratuliert und mit ihm über die Philosophie und Pläne des Unternehmens gesprochen.

Inwieweit haben sich Ihre Vorstellungen von einem qualitativ hochwertigen Kinderwagen über die Jahre verändert?

Bugaboo Founder Max BarenburgMax Barenbrug: Daran hat sich nichts geändert. Bugaboo soll immer noch die Marke sein, die alles anders angeht. Wir wollen relevante Produkte machen, die innovativ sind. Es ist heutzutage vielleicht noch wichtiger, sich auf die Qualität eines Produkts zu konzentrieren.

Welche Faktoren sind für Sie essenziel bei der Herstellung Ihrer Kinderwagen?

Unsere Philosophie lautet, dass wir Produkte entwickeln, die lange halten. Unser kreativer Prozess funktioniert so, dass wir uns davon fern halten, was jeder will, und eine ganz andere Perspektive einnehmen. Diese Erkenntnisse bringen wir dann in ein kommerzielles Design – nur dann ist man innovativ. Es war gut, dass ich noch keine Kinder hatte, als ich den ersten Kinderwagen entwickelt habe, denn nur dann ist man objektiv. Früher waren Kinderwagen meiner Meinung nach für niemanden designt. Sie waren hässlich mit niedlichen Bärchen-Prints in einer rosafarbenen Welt. Man dachte, dass sei, was den Kinder gefällt. Aber das ist gar nicht wichtig! Es geht darum, was die Eltern mögen. Ich wählte eine männlichere Herangehensweise um erwachsenere Produkte zu entwickeln. Unsere Kinderwagen sprechen Männer und Frauen an. Es ist ein emanzipiertes Design.

Wie viele Kinder lang hält ein Bugaboo Kinderwagen?

Wir haben schon von Familien in Berlin gehört, dass ein Kinderwagen über 15 Jahre von fünf Familien genutzt wurde.

Mit dem Bugaboo Fox haben Sie sich erstmalig für recycelte Stoffe entschieden. Das Verdeck des Kinderwagenmodells besteht aus recycelten PET-Flaschen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Nachhaltigkeit spielte für uns schon immer eine große Rolle. Wir kommunizieren unsere Bemühungen jetzt nur expliziter. Die Materialien wählen wir sehr bewusst aus, und achten darauf, dass sie wiederverwertbar sind. Wir haben zunächst in Taiwan produzieren lassen und bewusst nicht in China, weil Taiwan eine Demokratie war und die Bedingungen vor 20 Jahren in China miserabel. Als China sich aber entwickelte war es logisch, dass wir mit unserer Fabrik nach China gezogen sind. Die Fabrik steht in einer schönen Stadt am Meer, und nicht da, wo die anderen Produzenten sind. Unsere Arbeiter wohnen alle zu Hause, was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Unser Code of Conduct bezüglich Diversität, Arbeitszeiten und Menschenrechten gilt nicht nur im Office in Amsterdam sondern auch für unsere Fabrik. Wir haben die Kontrolle darüber und kennen alle unsere Lieferanten. Und auch sie sind sehr an Nachhaltigkeit interessiert und wollen dazulernen.

Welche Ziele verfolgen Sie in punkto Nachhaltigkeit?

Wie bereits gesagt ist unser wichtigstes Ziel, langhaltende Produkte zu entwickeln. Und das ist ja super nachhaltig. Wir kümmern uns auch sehr um unsere Second- und Thirdhand Nutzer. Natürlich achten wir auch darauf, möglichst wenig Energie und Wasser zu verbrauchen.

In Kooperation mit Nuna haben Sie einen neuen Autositz auf den Markt gebracht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Nuna ist ein weltweit tätiges Unternehmen und vor allem bekannt für seine Autositze. Wir haben die selbe Philosophie wie das Unternehmen: Alles so einfach wie möglich machen. So hat jeder von uns seine Stärken in das Projekt eingebracht. Bugaboo kann gut mit Stoffen. Deshalb haben wir an der Hardware der Babyschale von Nuna nichts geändert, aber die Software. Zum Beispiel haben wir einen Bezug aus Merinowolle gewählt und die Knöpfe weiß gemacht. Die Funktionen des Verdecks haben wir auch verbessert. Die Babyschale lässt sich auf unsere Kinderwagen Fox, Donkey, Cameleon und Bee andocken. Sie ist sowohl mit Basis als auch nur mit dem Gurt gesichert zugelassen. Jetzt kann Bugaboo ein Baby schon während der ersten Autofahrt von der Klinik nach Hause begleiten.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Denken Sie auch Richtung Eltektrokinderwagen?

Klar, denken wir daran. Aktuell ist es jedoch noch so, dass E-Kinderwagen sehr schwer sind und deshalb nicht immer funktional. Aber ich darf noch nichts verraten über unsere Zukunftspläne.

Über eine Neuheit dürfen wir aber schon sprechen: Es gibt einen neuen Buggy von Bugaboo. Der Ant ist wie alle Kinderwagen von Bugaboo nach einem Tier benannt. In Asien wird er ab Juli erhältlich sein, in Europa ab September 2019. Wir können den kompakten Flitzer im Headquarter bestaunen noch bevor er offiziell vorgestellt wird. Auffällig ist direkt die Seitenverkleidung am Gestell. Wir haben das Glück, den Bugaboo Ant von Designer Aernout Dijkstra-Hellinga vorgeführtzu bekommen und stellen ihm direkt ein paar Fragen, was es mit dem neuen Buggy auf sich hat.

Der Ant ist der kompakteste Kinderwagen von Bugaboo. Was macht ihn so innovativ?

aernout designer bugabooAernout Dijkstra-Hellinga: Unser Ziel war es, einen Buggy zu entwickeln für Familien, die nicht viel Platz haben und für Eltern, die mit ihren Kindern reisen. Die Herausforderung war, alles klein und kompakt zu halten, ohne Kompromissen beim Komfort eingehen zu müssen. Deshalb die höhenverstellbare Rückenlehne und die gute Federung an allen Rädern. Der Bugaboo Ant ist robust und sieht aus wie ein cooler Reise-Begleiter. Mit der Seitenverkleidung verfolgen wir eine ganz neue Strategie. Eine Abdeckung versteckt die Technik dahinter. Außerdem sorgt sie dafür, dass der Buggy zusammengeklappt wie ein Koffer aussieht. Da man die Abdeckung auswechseln kann, können Eltern mit Farben spielen. Ein weiteres Highlight ist auch, dass das Gepäck im Korb bleiben kann, auch wenn der Buggy zusammengeklappt wird. Dann sieht er aus wie ein Koffer. Diese Container-Idee mit der Seitenverkleidung ist ein komplett neuer Ansatz.

Nennen Sie uns ein paar Zahlen und Fakten zum Bugaboo Ant.

Der Sitz hält 22 Kilo aus, das ist mehr als vorgeschrieben. Wir haben extra Tests durchführen lassen um zu zeigen, dass der Ant den Standard übertrifft. Außerdem können Eltern bis zu 8 Kilo Gepäck kutschieren. Er wiegt 7, 2 Kilo. Zusammengekappt ist er 55 x 38 x 22 Zentimeter groß und lässt sich wie ein Trolley ziehen.

Bugaboo Ant Kinderwagen

 

Was ist Ihr Lieblingsfeature am neuen Bugaboo Ant?

Der umkehrbare Sitz. Eltern können entscheiden, ob das Kind nach vorne schaut und die Welt erkundet oder ob es rückwärts mit Blick Richtung Eltern reist. So etwas in diesem ultrakompakten Format zu entwickeln war eine große Herausforderung. Der Buggy lässt sich zusammenfalten, egal in welcher Position der Sitz angebracht ist.

Wie viele Designer arbeiten in Ihrem Team?

Wir sind 7 Designer, dazu kommen 30 bis 40 Ingenieure, hier und in unserer chinesischen Fabrik.

Wie lange arbeiten Sie an einem neuen Design?

Man kann von etwa vier Jahren Entwicklungszeit ausgehen. Nach etwa drei Jahren steht das Konzept so weit. Aber dann vergehen noch mal 1,5 Jahre mit Tests, Transport etc., bevor der Kinderwagen über die Straßen rollt.

Woraus setzt sich ein nachhaltiges Design zusammen? Was muss in der Umsetzung beachtet werden?

Da haben wir viele Ansatzpunkte. Wir versuchen Plastik zu vermeiden oder welches zu benutzen, das besser abbaubar ist. Bei Bugaboo wird viel geschraubt, damit Einzelteile, sollten sie kaputt gehen, einfach ersetzt werden können. Wir überlegen, was wirklich lange halten wird und wo Schwachstellen sein könnten, sprich welche Teile eines Kinderwagens mal ersetzt werden könnten. Also konstruieren wir unsere Produkte so, dass dies leicht geht. Wir wollen nicht immer neue Kinderwagen verkaufen sondern bieten auch Ersatzteile für Zweit- oder Drittnutzer eines Kinderwagens an. Aus Stoffresten, die bei der Produktion übrig bleiben, haben wir Taschen gemacht, die in unseren Stores erhältlich waren. Beim Bugaboo Ant haben wir darauf geachtet, dass möglichst wenig Verpackungsmüll entsteht. Er kommt mit nur einer Plastiktüte, die den Stoff schützt.

Der Bugaboo Ant mit Buggy-Board

Können Endverbraucher beim Design mitreden? Wie wichtig ist Ihnen die Meinung der Endverbraucher?

Wir hören sehr darauf, was Kunden sagen und lassen sie Fragebögen ausfüllen, was sie mögen. Dadurch erfahren wir, wie sie den Kinderwagen wirklich nutzen. So können wir unsere Produkte ständig verbessern.

Woher holen Sie sich Inspiration?

Für die Stoffe lasse ich mich auf Modemessen inspirieren. Und im Internet findet man auch reichlich Ideen. Daraus erstelle ich dann Moodboards.

Zu guter Letzt treffen wir im Bugaboo Headquarter CMO Madeleen Klaasen. Sie ist seit 18 Jahren für Bugaboo tätig und verantwortlich dafür, dass die Botschaft und Produkte der Marke im Handel und beim Endverbraucher landen.

Welche Marketingstrategie verfolgen Sie bei Bugaboo?

Madeleen Klaasen: Wir hatten schon immer eine etwas andere Strategie. Wir haben unserem Gründer Max zugehört und wollten verstehen, was er sich beim Produkt-Design gedacht hat. Es ging uns ums Story-Telling. Wir wollten erzählen, wie unsere Produkte designt sind und wie wir eine Balance zwischen Design und Funktionalität erreichen. Klassische Anzeigen sind weniger unser Ding. Wir wollten die Geschichte von Bugaboo erzählen und wie Max designt. Das hat uns von anderen unterschieden und so haben wir Artikel in Design-Magazinen bekommen. Und Mundpropaganda war von Anfang an ein wichtiges Marketing-Instrument für uns. Also war es wichtig, dass man so viele Bugaboo Kinderwagen wie möglich auf den Straßen sieht. Da war es super, dass man einen Bugaboo Kinderwagen in Sex and the City gesehen hat. Natürlich war aber auch entscheidend, dass der Kinderwagen hält was er verspricht.

Wo liegt die Herausforderung in der Kommunikation?

Wir müssen wirklich alle Funktionen und Vorzüge gut erklären. Wir nennen es auch „Technik sexy erscheinen lassen“. Ich habe schon mal vergessen eine Funktion zu erwähnen und Max wurde richtig sauer. Für uns war das selbstverständlich, aber wir müssen darauf achten, alle Details zu kommunizieren. Wir müssen vermitteln, dass Style und Leistung Hand in Hand gehen. Eltern sollen sich mit unseren Kinderwagen wohl fühlen und selbstsicher sein. Auf Eltern lastet ein großer Druck, die neue Situation mit Baby kann auch beängstigend sein. Wir wollen die Diversität fördern und sagen: Es ist egal, welches Elternmodell ihr lebt, wir haben die besten Produkte für euch. Mit unseren Kinderwagen müssen sie sich keine Sorgen machen.

Wie wichtig ist Ihnen der Vater als Kunde?

Sehr! Max hat den ersten Kinderwagen tatsächlich für einen Vater designt. Es ging um ein aktives Leben. Wir sprechen nicht nur Mütter an, sondern wurden auch in einem Männermagazin gefeatured. Das Feedback der Väter war super! Männer mögen die Funktionen und die einstellbare Federung. Sie sprachen über den Kinderwagen, wie über ein Auto. Deshalb kommen auch immer wieder Väter in unseren Kampagnen vor.

Ihre Bekanntheit wurde durch Prominente wie Heidi Klum und Gwyneth Paltrow um einiges gesteigert. Wie wichtig ist Ihnen ein Testimonial, das Ihre Marke präsentiert?

Das hilft uns sehr. So haben wir den Kinderwagen von der Straße auf den Laufsteg gebracht. Eltern waren plötzlich stolz auf ihren Kinderwagen und wollten mit ihm gesehen werden. Durch die Prominenten wurden Begehrlichkeiten geweckt. Vorher war ein Kinderwagen ein Gebrauchsgegenstand, ein notwendiges Übel. Dann wurde er ein Statement.

Was halten Sie von der Zusammenarbeit mit Influencern?

Die Sozialen Medien sind eine gute Mundpropaganda. Wir mögen Authentizität. Influencer präsentieren unsere Kinderwagen in ihrem persönlichen Stil. Die Digitalisierung hilft uns schon sehr, die Bekanntheit der Marke durch Mundpropaganda zu vergrößern.

Mit welchen Influencern haben Sie in Deutschland schon Zusammengearbeitet?

Zum Beispiel mit Veronika Heilbrunner, Carina Nova oder Jessie von Journelles.

 

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Link: Bugaboo feiert 20. Jubiläum

Bilder: PR Bugaboo

//RR