Nach Umfragen zu urteilen, müssten Verbraucher zu den größten Fans von Fairtrade-Produkten gehören. 91 Prozent der Bundesbürger gaben in einer Befragung des Umweltbundesamtes an, dass ihnen der faire Handel zwischen reichen Staaten und Entwicklungsländern „sehr wichtig“ und „eher wichtig“ ist. Die Aussagen spiegeln sich aber nicht in den Umsatzstatistiken wider.

Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten ist im vergangenen Jahr (2018) gestiegen. Nichtsdestotrotz bleibt der Anteil am Gesamthandel gering. Am Mittwoch teilte das Forum Fairer Handel (FFH) mit, dass der Umsatz mit Fairtrade-Produkten 2018 bei 1,7 Milliarden Euro lag. Dies entspricht einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem Jahr 2010 hat sich der Fairtrade Umsatz mehr als verfünffacht.

Rund 1,36 Milliarden Euro, somit ein Großteil des Umsatzes wurde durch Produkte mit einem Fairtrade-Siegel erwirtschaftet. Den zweitgrößten Anteil hatten mit rund 209 Millionen Euro anerkannte Fairtrade-Unternehmen, die international definierten Grundsätzen des fairen Handels folgen. Der restliche Umsatz entfiel auf die Fachgeschäfte des Fairen-Handels.

„Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin geschätzte 99 Prozent des Handels nicht fair sind“, teilte der FFH Geschäftsführer, Manuel Blendin mit.

Ausgaben für Fairtrade-Produkte

2018 hat jeder deutsche Verbraucher im Schnitt nur um die 20,50 Euro für faire Produkte ausgegeben. Lebensmittel machen mit 81 Prozent den größten Anteil dieser Artikel aus.  Zwei Drittel des Fairtrade Umsatzes wurde mit Kaffee gemacht. 9 Prozent machten Kleidung und Textilien aus.

Schwere Anbaubedingungen für Kleinbauern im Globalen Süden und benachteiligte Kleinproduzenten im Norden rücken in den Fokus des Forums. „Mit dem Höfesterben zerfallen zunehmend auch ländliche Regionen und Kulturlandschaften“, heißt es in der Untersuchung. Nebenher bietet auch der Bio-Bereich keine ausreichende Sicherheit mehr. „Die steigende Nachfrage führt zu einem ähnlichen Preisdruck durch den Handel wie auf dem konventionellen Markt.“

Lidl nimmt Fairtrade versprechen zurück

Geschäftsführer des Forums Fairer Handel, Manuel Blendin übt Kritik an dem Discounter Lidl. Im September 2018 hatte Lidl verkündet, ausschließlich Fairtrade-Bananen zu verkaufen. Anschließend soll Lidl versucht haben, bei den Händlern die Preise so drastisch runterzuhandeln, dass es aus der Sicht des FFH nicht mehr fair gewesen wäre. Da alle Verhandlungen ohne Erfolg waren, wurde das Fairtrade-Versprechen im Mai wieder revidiert.

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Link: Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten ist laut des FFH gestiegen.

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