Das Bundeskartellamt hat eine Sektoruntersuchung zu Nutzerbewertungen im Internet eingeleitet. So soll geklärt werden, wie leicht die für Käufer so wichtigen Bewertungen gefälscht werden können.

Für den Onlinehandel sind Nutzerbewertungen überlebenswichtig. Schließlich machen viele Kunden ihre Käufe im Internet von diesen Beurteilungen abhängig. Laut der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners schätzen 71 Prozent der Konsumenten weltweit Produktbewertungen als wichtig oder sogar sehr wichtig ein. Neben den Produkteigenschaften und dem Preis sind Ratings demnach bereits das drittwichtigste Kriterium für Kaufentscheidungen und damit sogar wichtiger als die Marke. In der letzten Zeit haben sich Untersuchungen und Medienberichte gehäuft, nach denen viele Nutzerbewertungen jedoch gefälscht sind. Unter anderem betraf es Amazon. Hier waren laut britischer Verbraucherorganisation Which 87 Prozent der insgesamt 12.000 untersuchten Bewertungen unglaubwürdig. Um etwaige Missstände aufzudecken, will das Bundeskartellamt nun Online-Bewertungen genauer unter die Lupe nehmen.

Bundeskartellamt sieht mögliche Verbraucherrechtsverstöße

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Nutzerbewertungen sind neben dem Preis das wichtigste Entscheidungskriterium für Verbraucher beim Online-Kauf. Auch bei der Wahl eines Arztes, Handwerkers oder Restaurants vertrauen viele Verbraucher auf Bewertungen anderer Nutzer im Internet. Es gibt Hinweise, dass Nutzerbewertungen nicht selten gefälscht oder manipuliert sind. Vorrangiges Ziel unserer Sektoruntersuchung ist es deshalb herauszufinden, welche Bewertungssysteme dafür besonders anfällig sind und inwieweit hier ggfs. Verbraucherrechtsverstöße vorliegen.“ Gründe, weshalb Online-Bewertungen nicht authentisch sind, gibt es laut Bundeskartellamt viele. So könnten die Beurteilungen beispielsweise von einem Computer generiert worden sein. Oder der der Bewertende hat eine Gegenleistung erhalten, ohne dies kenntlich zu machen. Wenn Verbraucher aufgrund nicht-authentischer Bewertungen zu falschen geschäftlichen Entscheidungen verleitet werden, kann dies den Experten zufolge einen Verbraucherrechtsverstoß darstellen.

Nach Abschluss wird es einen öffentlichen Bericht geben

Das Bundeskartellamt kann, wenn erforderlich, im Bereich Verbraucherschutz Untersuchungen vorantreiben. So sollen etwaige Verstöße sowie mögliche Defizite in der Rechtsdurchsetzung identifiziert werden. Bisher haben die Experten bereits eine Sektoruntersuchung zu Vergleichsportalen und zu Smart TVs durchgeführt. Für die Analyse der Nutzerbewertungen wird das  Bundeskartellamt in den nächsten Monaten zahlreiche Betreiber von Internet-Portalen, die Nutzerbewertungen haben, befragen. Zu der Untersuchung wird es darüber hinaus einen öffentlich einsehbaren Bericht geben.

 

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Link: Das Bundeskartellamt befragt Websitebetreiber, um möglichen Fälschungen von Nutzerbewertungen auf die Spur zu kommen.

Bild: Pixabay

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