Einkaufen, Informieren und Spielen mit Amazons Alexa, Google Assistant und Co. gehört für zahlreiche Nutzer schon zum Alltag. Das birgt großes Potenzial für den Onlinehandel. Einige Unternehmen haben sich bereits darauf eingestellt und ihren Online-Shop oder ihre Dienstleistungen für diese Plattformen geöffnet.

Ist es das nächste große Ding in Sachen Onlineshopping? Verkaufszahlen gibt Amazon nicht bekannt, aber sicher ist: Alexa hat ihren Siegeszug angetreten und still und heimlich zahlreiche Wohnzimmer, Küchen und Kinderzimmer erobert. Integriert in den smarten Lautsprecher Echo, kann die virtuelle Sprachassistentin einkaufen, Musik abspielen, Rezepte vorlesen und auch die Haustechnik steuern. Und das alles berührungslos, denn Alexa reagiert auf Stimmen. Digitale Sprachassistenten von Unternehmen wie Amazon, Google oder Apple sind auf dem Vormarsch. Egal, ob der Benutzer sich um seine Kinder kümmert, kocht oder arbeitet: Er braucht nichts einzutippen, hat die Hände frei, einfache Sätze reichen. Das macht die Bedienung, sehr komfortabel, intuitiv und erklärt auch die hohe Akzeptanz. Experten des Zukunftsinstituts haben das Einkaufen per Stimme, Voice Commerce, als einen der Retail Trends für dieses Jahr definiert. 2020 gilt für viele Handelsunternehmen als magische Grenze, um wichtige Ziele auf dem Weg zur digitalen Transformation erreicht zu haben. „Aus diesem Grund wird der Retail in diesen Monaten vor allem von Digital- und Tech-Trends getrieben. Die aktuelle Diskussion ist daher in erster Linie von den Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz geprägt“, so Theresa Schleicher, Autorin des Retail Reports 2018. Und die Chancen für diesen Einsatz stehen gut, denn digitale Sprachassistenten sind bereits jetzt von Verbrauchern akzeptiert und geschätzt.

Gehören klassische Websites bald der Vergangenheit an?

Die Unternehmensberatung Capgemini hat im letzten Herbst über 5000 Verbraucher in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland befragt. Ein Viertel der Konsumenten benutzt bereits smarte Lautsprecher wie Amazons Echo oder Google Home. Via Smartphone haben sogar 81 Prozent der Befragten einen Sprachassistenten wie Siri oder Google Assistant verwendet. Meistens werden Informationen gesucht wie Nachrichten, Rezepte oder die Wettervorhersage. Mehr als ein Drittel der Befragten hat bereits via digitalem Sprachassistenten eingekauft. Sie sagen dieser Technik eine große Zukunft voraus: 40 Prozent der Verbraucher gehen davon aus, dass sie in drei Jahren eher via Sprachassistenten einkaufen als über eine Website oder eine App. Knapp jeder Dritte gibt an, dass er in drei Jahren den Sprachassistenten dem Besuch eines Geschäfts vorziehen wird.

Unternehmen positionieren sich für den Einkauf via Spracheingabe

Für viele Unternehmen Grund genug, sich neu aufzustellen und ihre Produkte, Dienstleistungen und Angebote für den berührungslosen, komfortablen Online-Einkauf via Spracheingabe zu positionieren. Bei Walmart können Kunden via Google Home mehr als zwei Millionen Waren bestellen. Ebenfalls auf Google setzt Rewe: Mit der Anwendung Caro haben Hobbyköche über Google Assistant freihändigen Zugriff auf rund 3.000 Rezepte, die von Rewe-Ernährungsexperten entworfen wurden. Die Rewe-Assistentin gibt Koch-Inspirationen, sucht nach Rezepten, liest Zutatenlisten vor und begleitet die Köche durch die einzelnen Zubereitungsschritte. Im Herbst letzten Jahres hat Otto seine Vernetzung mit Google Assistant gestartet. Sagt der Kunde „Ok, Google. Rede mit Otto“, wird er mit der sogenannten Otto-Action verbunden. Der digitale Assistent beantwortet Fragen zum Beispiel nach Aktionen oder Angeboten und führt dabei ein Gespräch mit dem Nutzer, fragt aktiv, was er noch tun kann, beantwortet Nachfragen und verabschiedet sich zum Ende auch standesgemäß. Marc Opelt, Otto-Bereichsvorstand Marketing und Sprecher von Otto: „Wir sind überzeugt: Sprachsteuerung wird den E-Commerce verändern.

Wir freuen uns deswegen, dass wir unseren Kunden jetzt erste Funktionen per Spracherkennung anbieten und neue Funktionen und Services direkt mit ihnen testen können. Wir sehen großes Potenzial im Voice Commerce und möchten die Technologie als weiteren Berührungspunkt ausprobieren, der unseren Kunden die Interaktion mit Otto noch einfacher macht.“ Für Otto sind diese interaktiven Info-Dialoge ein erster Schritt im Conversational Commerce. Zukünftig sind viele andere und persönlichere Anwendungsfälle denkbar. Dann kann der Assistant beispielsweise den aktuellen Sendungsstatus einer Bestellung überprüfen.

Hasbro hat Amazon-Alexa-fähige Version von Trivial Pursiut herausgebracht

Viele andere Unternehmen setzen auf Amazons Assistentin Alexa. Laut dem Magazin Stern hat der Konzern mit diesem Produkt im Feld der Sprachsteuerung einen Marktanteil von knapp 75 Prozent. Zum einen kann der Kunde wie über die normale Amazon-Website auch über Alexa per Sprachsteuerung einkaufen. Fragt der Kunde Alexa nach einem Produkt, kann er die Ware auf seine Amazon-Liste setzen lassen und dort die Ware kaufen. Zum anderen haben Firmen die Möglichkeit, den Nutzern mittels sogenannter Skills, die ähnlich einer App installiert werden, einen Mehrwert zu bieten. Douglas ermöglicht via Alexa eine Duftberatung und limango lässt seine täglichen Aktionen vorlesen. Mercedes-Fahrer können mit Alexa unter anderem die Standheizung starten oder die Türen abschließen. Bosch hat zur diesjährigen Technikmesse CES seinen Staubsaugerroboter vorgestellt, der mit Alexa gesteuert werden kann. Ab diesem Frühjahr soll das gesamte Bosch Smart Home System via Alexa steuerbar sein.

Echo Button - Conversational Commerce

Über solchen Komfortgewinn hinaus bieten die digitalen Sprachassistenten noch weitere neue geschäftliche Möglichkeiten. Hasbro hat pünktlich zum letzten Weihnachtsgeschäft eine Alexa-fähige Version seines Spieleklassikers Trivial Pursuit auf den Markt gebracht. Die Spieler betätigen runde Schalter namens Echo Buttons, die mit dem Alexa-Endgerät Echo gekoppelt sind, und haben so ein interaktives Spielerlebnis. Jonathan Berkowitz, Senior Vice President Marketing, Hasbro Gaming, ist überzeugt: „Diese dynamische Heimtechnologie wird Trivial Pursuit noch lebendiger und aufregender machen als jemals zuvor.“ Hier könnte sich für Spielehersteller ein weites Feld öffnen. Zumal Amazon sein Produktangebot rund um Alexa ständig weiter ausbaut. Inzwischen gibt es den Lautsprecher mit Bildschirm – so können auch Videos, Bilder oder Filme angezeigt werden.

Echo Button

Kundenskepsis bei der Datensicherheit

So bequem die neuen digitalen Einkaufs- und Informationsmöglichkeiten auch sein mögen, viele Kunden fürchten um die Sicherheit ihrer Daten. Laut einer Untersuchung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft BVDW haben nahezu 80 Prozent der Befragten Bedenken bei der Nutzung von Sprachassistenten – vor allem wegen Datenmissbrauchs oder Abhörgefahr. „Dass eine derart neue Art der Kommunikation auf den ein oder anderen befremdlich wirkt, ist vollkommen normal“, sagt BVDW-Vizepräsident Achim Himmelreich. „Wirklich alarmierend hingegen ist, dass jeder Dritte Angst vor Datenmissbrauch und Überwachung hat. Hier besteht auch aus Sicht der Branche Handlungs- und Aufklärungsbedarf, denn obwohl es im Anfangsstadium natürlicherweise Bedenken gibt, wird die Konversation mit künstlicher Intelligenz in nicht allzu ferner Zukunft ganz selbstverständlicher Teil des Alltags sein.“

BVDW_Bedenken_Sprachassistenten

Link:

www.otto.de

www.amazon.de

www.bosch.de

Bild: Amazon

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