Der Online-Handel macht es dem stationären Handel nicht einfach. Um auf dem Markt zu bestehen, müssen sich die Händler von kleinen Geschäften von der Masse abheben. Jessica Simon, Leitung Einkauf & Marketing der Rebus Fashion GmbH sprach mit Luna Journal über die Vorteile, die der stationäre Handel gegenüber dem Online-Handel hat.

Sie führen den Concept Store Emil & Greta. Welche Intention hat Sie zu dem Concept Store bewogen?

Jessica Simon, Leitung Einkauf & Marketing der Rebus Fashion GmbH: Die Idee zu Emil & Greta entstand vor 7 Jahren. Ein inhabergeführtes Kindergeschäft in unserer Stadt hat nach 30 Jahren keinen Nachfolger gefunden. Ich wurde damals schon als Kind hier ausstaffiert und Jahre danach war dann auch ich mit meinen Kindern, Emil und Greta, Kunde. Es war eigentlich eine Bauchentscheidung, das Ladensterben hat auch hier bei uns im Dorf bereits begonnen. Ich war damals selbstständig im Marketingbereich und habe mich spontan entschieden ein kleines aber feines Lädchen zu führen.

Mit einem bunten Konzept, frisch renoviert, einem ausgefallenen Sortiment aus Lifestyle, Accessoires und Kindermoden sind wir dann im März 2013 gestartet.

 Was gilt es bei einem Concept Store zu Beginn zu beachten?

Concept bedeutet für uns, die Mischung muss stimmen. Das Sortiment sollte rund und begeisterungsfähig sein. Ob Gummiball, Armkettchen, Roller oder Kindergartenjacke. Für alle muss etwas dabei sein. Uns freut es auch immer, wenn unsere jüngsten Kunden mit ihrem Taschengeld kommen und sich aus unserer Krims Krams Ecke was Cooles aussuchen oder bei werdenden Eltern Meilensteine erschaffen, wie das erste Babyoutfit aussuchen.

Welche Labels sind bei Ihnen im Laden vertreten und worauf achten Sie bei der Markenauswahl?

Auch hier haben wir einen bunten Mix. Wir bieten modische kommerzielle, kleine Labels, aber auch nachhaltige Marken in unserem Sortiment an. BoboChoses, Levis, Tommy Hilfiger, Calvin Klein, Billie Blush, RICE, Minirodini, Banwood, Liewood, Cam Cam Copenhagen, aber auch viele kleine Lables wie z.B. Hutch & Putch oder kleine Geschenketüten die in Behindertenwerkstätten gefertigt werden uvm.

Welche Produkte kommen am besten bei ihrer Zielgruppe an?

Da wir mittlerweile 6 Filialen haben, ist dies natürlich auch sehr standortabhängig. Wir kaufen für jedes Geschäft gezielt und auch anders ein. Generell gilt, es muss besonders sein, aber vor allem die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen.

Wo finden Sie neue Labels?

Messen im Ausland spielen eine große Rolle, aber auch auf Instagram und Pinterest , da man hier weltweit Labels finden kann. Generell halte ich aber auch einfach immer und überall Ohren und Augen auf.

Wie wichtig ist Ihnen eine nachhaltige Produktion?

Sehr wichtig! Ich finde wir haben eine soziale Verantwortung und man muss dem Kunden auch immer wieder eine Auswahl anbieten können. Für viele Kunden ist aber oft der Preis die Hemmschwelle, um nachhaltig zu kaufen. Das hören wir immer wieder. Aus diesem Grund sind wir auch immer auf der Suche nach bezahlbaren nachhaltigen Labels. Man hat nicht immer den informierten hipster Kunden. So versuchen wir mit guten Alternativen die breite Masse zu erreichen.

Wie wichtig sind Kunden Produkte, die „Made in Germany“ produziert wurden?

Wir führen einige Produkte, aber die Nachfrage der Kunden gezielt ist eher gering. Wobei oft ein „Made in Germany„ den Kaufimpuls setzt.

Der stationäre Handel hat es in den Zeiten von Digitalisierung und des boomenden Online-Handels, nicht so leicht. Wie locken Sie Ihre Zielgruppe in Ihren Laden? Welche Vorteile bietet der stationäre Handel im Vergleich zum Online-Handel?

Das Erlebnis muss hier im Vordergrund stehen. Wir versuchen in unseren Shops Wohlfühlmomente zu kreieren. Schön bunt und immer was zu Entdecken für groß und klein. Wir können uns nur über Service und Beratung abheben. Vergleichbare Produkte und Marken bekommt der Kunde mit wenigen Klicks. So sind schöne besondere Verpackungen, Bonussysteme, Aktionen und Events ebenfalls sehr wichtig.

Welche Herausforderungen muss man in Zeiten des aufsteigenden Online-Handels bewältigen? Wie schaffen Sie es im stationären Handel zu bestehen?

Wir versuchen über Events und Social Media im direkten Austausch mit unseren Kunden zu sein.  Um die Bedürfnisse besser aufzunehmen und zu verstehen. Das ist die Chance, die wir im Vergleich zu Online haben. Man muss erlebbar, authentisch und individuell sein.

Warum soll sonst der Kunde bei uns kaufen, wenn er das Produkt mit wenigen Klicks bekommt? Es ist immer der Austausch, die Beratung und auch die alltäglichen Tipps. Am Ende ist wichtig ein rundes Sortiment anzubieten, der Kunde muss vertrauen, sich willkommen und verstanden fühlen.

Planen Sie Ihre Webseite weiter für Online-Bestellungen auszubauen?

Wir sind bereits in der Entwicklungsphase und freuen uns wenn wir endlich richtig loslegen können.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihren Concept Store eingerichtet? Welche Vorzüge bieten Sie Ihren Kunden?

Für uns war es wichtig, zeitgenössisch aber dennoch zeitlos zu sein. Es soll schön bunt und laut sein, sodass es vor allem auch den Kindern gefällt und ihre Neugierde weckt. Übrigens kann man die bunte Tapete auch bei uns kaufen. In Bielefeld haben wir auch eine Riceteria mit Coffee & Sweets Concept, mit Kaffee, kalten Drinks und ausgewählten Süßwaren. Dieses werden wir auch noch in anderen Standorten umsetzten.

Welche Pläne verfolgen Sie zukünftig für Ihre Concept Stores?

Es muss immer und alles im Flow sein. Wir möchten gesund und stätig wachsen. Aber sicher ist, wir haben noch viel vor!

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Joyhair – Gründer Pesaran über die Bedeutung von stationärem Handel und Online-Vertrieb

Millennials haben klare Erwartungen an den stationären Handel

 

Link: Der Concept Store Emil & Greta.

Bild: Rebus Fashion GmbH

//JP