Stiftung Warentest hat Kinderhochstühle getestet (Juni 2018). Testsieger waren der Tripp Trapp von Stokke und Nomi von Evomove. Mit Luna Journal sprach Michael Steinbach, Geschäftsführer der 2E Vertriebs-GmbH, die den Nomi in Deutschland und Österreich vertreibt, über interne Anforderungen an das Produkt und worauf Hersteller bei Kinderstühlen besonders achten müssen.

Der Nomi von Evomove wurde von Stiftung Warentest mit der Bestnote 1,6 ausgezeichnet. Was muss bei der Produktion eines Kinderhochstuhls beachtet werden?

Michael Steinbach: Wichtig ist vor allem, die Sicherheitsstandards und -anforderungen genau zu kennen und zu verstehen. Viele Hochstühle orientieren sich viel zu sehr am Design und vernachlässigen die wesentlich wichtigere Basisrecherche, wie ein Kinderhochstuhl später in der Praxis im Haushalt überhaupt genutzt wird und welche Anforderungen an ihn gestellt werden. Die Kunst ist, ein gutes Design mit hoher Funktionalität und natürlich der genauen Einhaltung aller Sicherheitsstandards zu kombinieren.
Nomi wurde vom norwegischen Designer Peter Opsvik entworfen. Seit 1972 verschreibt er sich komplett der Entwicklung von ergonomischen Stühlen, angefangen beim bekannten Klassiker Tripp Trapp. Seitdem hat er eine ganze Reihe an innovativen, ergonomischen Stühlen entworfen – immer orientiert an seiner Philosophie, dass Menschen „aktiv sitzen“ sollen und nicht zu statisch, wie es leider immer noch viel zu häufig der Fall ist. Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass ein solch renommierter Experte, der sein berufliches Leben nur dem „gesunden Sitzen“ gewidmet hat, hinter dem Nomi-Konzept steckt.

In den Kategorien Gestaltung, Handhabung, Haltbarkeit, Schadstoffe und Sicherheit haben Sie mit dem Nomi „gut“ und zum Teil „sehr gut“ abgeschnitten. Welche internen Tests müssen Ihre Produkte bestehen?

Ein Kinderhochstuhl, der auf dem deutschen und europäischen Markt verkauft wird, muss natürlich ohne wenn und aber die Sicherheitsstandards der DIN Normen erfüllen. Es ist erstaunlich, wie oft dies allgemein noch nicht der Fall ist im Markt. Darüber hinaus erwarten der Designer und Hersteller, dass Nomi in vielen Aspekten neue Maßstäbe setzt. So ist Nomi beispielsweise bis zu einer Belastung mit 150 kg zertifiziert, während der Standard für Kinderhochstühle lediglich 15 kg vorschreibt. Nomi wurde weltweit in renommierten Testlaboren zertifiziert, in Deutschland beim TÜV Süd – und das nach EN 12790:2009 (Standard für Babywippen), EN 14988:2017 (Standard für Kinderhochstühle) und sogar nach EN 12520, dem Standard für Erwachsenen-Esstischstühle.
Darüber hinaus gehen wir mit Nomi aber noch weiter und testen ihn auch anhand unserer eigenen Kriterien, z.B. auf Haltbarkeit. Hier führen wir einen anspruchsvollen Test durch, der eine Nutzung über 10 Jahre simuliert – auf Belastbarkeit, unerwünschte Chemikalien, Oekotex-Zertifizierung u.v.m.. Intern sprechen wir hierbei vom „Nomi Standard“. Das Problem vieler Hochstühle ist, dass sie ungeahnte Schadstoffe enthalten, instabil sind, das Rückhaltesystem (bei uns der Bügel) Schwächen aufweist. Dann können Kinder einfach durchrutschen oder herausklettern. Eine weitere Gefahr sind Quetschstellen an Verbindungsstücken, an denen sich Kinder Finger oder Haut einquetschen können.

Was bedeutet Ihnen die Stiftung Warentest Auszeichnung?

Die Stiftung Warentest Auszeichnung genießt in Deutschland einen hohen Stellenwert und für viele Eltern, die auf der Suche nach Kinderprodukten sind. Das Siegel, insbesondere als Testsieger, ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des richtigen Produktes. Uns bestätigt die Auszeichnung in unserer Arbeit sowie den Ergebnissen, die wir auch in unseren fortlaufenden, internen Tests erzielen. Es bestätigt außerdem die Auszeichnungen als Testsieger, die wir in zahlreichen Konsumententests im benachbarten Ausland bereits erhalten haben.

Das Besondere an Nomi ist, dass er das Kind bis ins Erwachsenenalter begleitet. Was muss bei einem mitwachsenden Hochstuhl beachtet werden?

Ein guter Kinderhochstuhl passt sich problemlos an die individuelle Körpergröße des Kindes an. Nomi lässt sich stufen- und werkzeuglos in wenigen Sekunden verstellen. Der Nomi ist ausgesprochen funktional, ohne dies auf den ersten Blick zu verraten. Weil Nomi ein zeitloses und reduziertes Design besitzt, wird er auch gerne von Schulkindern, die nicht mehr auf den vorherigen „Kinderstühlen“ sitzen möchten, gerne täglich genutzt. Und selbst wenn Sie als Erwachsener auf dem Nomi Platz nehmen möchten, ist dies problemlos möglich: Sie passen einfach die Sitztiefe auf die niedrigste Position an, nehmen das Fußteil ab, und sind fertig, mit einer zertifizierten Belastung bis zu 150 kg.

Ihr Hochstuhl hat zudem den Schadstofftest bestanden. Welche Materialien verwenden Sie für die Sitzpolster der Kinderhochstühle?

Wir nutzen ausschließlich Textilien, die nach Oekotex 100 Klasse A zertifiziert sind. Darunter fallen Stoffe, Garn, der Klettverschluss, das Füllmaterial und die Kordel zum Festbinden der Nomi Baby Matratze. Zudem testen wir jede Charge entsprechend dem REACH-Protokoll auf 182 mögliche Schadstoffe, bevor sie die Fabrik verlässt.

Stiftung Warentest rät, Kinder erst ab einem Alter von acht Monaten senkrecht in einen Stuhl zu setzen, da die Rückenmuskulatur noch zu schwach ist, um das Kind gerade in den Stuhl zu setzen. Wie denken Sie darüber?

Kinder sollen erst dann in einen Stuhl gesetzt werden, wenn sie ihren Oberkörper selbstständig aufrecht halten können. Darauf weisen wir immer wieder hin. Deswegen ist das optimale Nutzungsalter primär keine Frage des Alters, sondern ein Frage der individuellen Fähigkeiten des Kindes. Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell, daher ist immer auch Fingerspitzengefühl gefragt, ab wann ein Kind in einen Stuhl gesetzt werden sollte. Die einen sind mit 6 Monaten soweit, andere Kinder vielleicht erst mit 8 Monaten. Die Zeit im Sitzen sollte gerade in dieser frühen Phase auch nur vorsichtig und sorgfältig gesteigert werden. Wichtig zu betonen ist hier auch, dass ein Hochstuhl kein „Parkplatz“ für Kleinkinder sein sollte. Die Nutzungszeit sollte sich hauptsächlich auf das Essen mit der Familie am Tisch beschränken. In der übrigen Zeit ist es wesentlich besser, das Kind auf einer Decke auf dem Boden spielen zu lassen, damit es seine motorischen Fähigkeiten optimal entwickeln kann.
Ein guter Stuhl sollte dem Kind die Möglichkeit bieten, in vielen unterschiedlichen Positionen ergonomisch sinnvoll zu sitzen und sich bewegen zu können. Eine zu starre „Fixierung“ des Kindes im Hochstuhl ist kontraproduktiv für eine gesunde körperliche Entwicklung des Kindes.

Ihre Babywippe schnitt in dem Test mit der Note 4 ab. So ergab die Prüfung, dass der Evomove kippt, wenn sich ein Geschwisterkind daran hochzieht. Wie erklären Sie sich das Ergebnis? Wie gehen Sie mit dem Testurteil um?

Die Nomi Baby Base wurde in 4 von 5 Testkategorien als einzige getestete Babywippe ausschließlich mit gut bis sehr gut bewertet. Da Nomi Baby in der Kategorie Sicherheit eine 4,0 bekommen hat, wurde auch die Gesamtnote auf 4,0 abgewertet. Stiftung Warentest bemängelt konkret, dass die Wippe zum Beispiel von einem älteren Geschwisterkind durch Dranhängen oder Dagegenrennen umgestoßen werden könnte. Zahlreiche unabhängige internationale Testinstitute, darunter der TÜV Süd, bestätigen hingegen seit Jahren uneingeschränkt die Kippsicherheit der Nomi Babywippe.
Für Babywippen wie die Nomi Baby Base, die als ein komplett eigenständiges Produkt anzusehen ist (und nicht lediglich ein Neugeborenenaufsatz für einen Kinderhochstuhl), gibt es eine eigene Norm EN 12790:2009 (Standard für Babywippen) mit entsprechend vorgegebenem Stabilitätstest. Dies wurde von der Stiftung Warentest in diesem Fall aus uns nicht bekannten Gründen nicht berücksichtigt. Zwei aktuelle Schreiben des TÜV Süd und des Technological Institutes, die wir gerne zur Verfügung stellen, bestätigen sowohl die richtige Art der Zertifizierung als auch die Standsicherheit.
Die Sicherheit des Nomi Konzeptes, sowohl die des Hochstuhls als auch die der Babywippe, hat für uns die allerhöchste Priorität. Das breite Fußkreuz sorgt für einen stabilen Stand und die Rollen an den hinteren Kreuzstützen liefern Schutz gegen ein Kippen des Stuhls.
Grundsätzlich empfehlen wir als Hersteller und als Eltern, ein Baby nicht unbeaufsichtigt mit Kleinkindern zu lassen. Dies gilt für unsere Babywippe genauso wie für einen Hochstuhl und andere Babyprodukte. Darüber hinaus ist bei mehreren zehntausend bis dato verkauften Produkten bis heute kein Fall bekannt, bei dem es zu einem seitlichen Kippen der Wippe gekommen wäre. Zusammenfassend können wir die Nutzung der Nomi Babywippe guten Gewissens uneingeschränkt empfehlen.

Was ist die häufigste Unfallursache bei der Nutzung von Kinderhochstühlen? Wie beugen Sie dem Risiko vor?

Ein allgemein häufiger Unfallgrund ist sicherlich, dass etwas ältere Kinder mit dem Stuhl „kippeln“ und im schlimmsten Fall hinten über kippen und sich dabei ernste Verletzungen zuziehen können. Daher haben wir am Nomi zwei kleine Rollen an den hinteren Fußstützen angebracht, die dieses Risiko drastisch minimieren und dazu führen, dass der Stuhl lediglich nach hinten rollt, sobald ein Kind zu „kippeln“ versucht. Diese innovative Art zusätzlicher Kippsicherheit weist nur Nomi auf. Zudem sind genau aus diesem Grund die Beine des Nomi ausladend mit einem stabilen und breiten Fußkreuz, um ein mögliches Kippen zu vermeiden

Verkaufen Sie Kinderhochstühle von Evomove eher über den stationären Handel oder den Onlinehandel?

Obwohl Nomi auch online erhältlich ist, steht gerade beim Kauf von sicherheitsrelevanten Produkten wie Kinderwagen, Babyschale oder eben Hochstuhl die persönliche Beratung für sehr viele Kunden an erster Stelle. Daher führt zumeist der Weg fast jedes Kunden in den stationären Handel, über den aktuell auch die meisten Nomi-Hochstühle verkauft werden.

Was haben Sie im Bereich Produktneuheiten für die Zukunft geplant?

Lassen Sie sich überraschen – eventuell wird es auf der Kind + Jugend in Köln ein paar Neuigkeiten geben.

 

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Link: evomove.com

Bild: Evomove – Michael Steinbach

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