Reichweite trifft Multifunktionalität: Mit technischen Innovationen wie Call-to-Action-Buttons, Live Videos und so genannten Karussel-Formaten bleibt das Soziale Netzwerk auch für den Modehandel besonders attraktiv.

Die Zahlen für das vierte Quartal 2016 zeigen es deutlich: Facebook ist weiter auf dem Vormarsch. Was angesichts der weltweiten Omnipräsenz des Sozialen Netzwerks fast schon absurd klingt. Ende vergangenen Jahres konnte das Netzwerk 1,9 Milliarden Nutzer verzeichnen – 349 Millionen davon allein in Europa. Dabei liegt der Anteil derer, die Facebook per App nutzen klar vorn: 1,2 Milliarden Menschen sind auf Facebook „mobile only“. Das bedeutet, sie haben die stationäre Browser-Version in den letzten 30 Tagen nicht angerührt.

Der Gesamtumsatz für 2016 lag bei 27,6 Milliarden Euro und damit über 50 % über dem Vorjahresumsatz. Mit der eigenen Instagram-Tochter und WhatsApp im Haus braucht Gründer Mark Zuckerberg wohl auch Konkurrent Snapchat nicht zu fürchten. Vier Millionen Unternehmen werben auf Facebook und über 500.000 auf Instagram. Und das vor allem, weil Facebook seine technische Entwicklung zügig und konsequent vorantreibt. Gerade der E-Commerce-getriebene Modehandel kann hier stark profitieren.

Auf die Content-Strategie achten

Als Händler ist jedoch immer entscheidend, wie die eigene Content-Strategie aussieht, welche Ziele man verfolgt und wie Facebook letztlich bei der Erfüllung dieser Ziele dienlich sein könnte. Neuen Features hinterherzurennen, sollte niemals allein im Fokus von Unternehmen stehen.

Den Call-to-Action-Button hat Facebook schon 2014 eingeführt und zum Ende vergangenen Jahres in der Funktionalität massiv erweitert. Er wird unter dem Coverfoto-Bereich der eigenen Seite angezeigt und bietet die Möglichkeit, den User direkt auf Bereiche außerhalb des Netzwerks zu lenken, u.a. per „Show Now“ in den eigenen Online-Shop.

Postings im Karusell-Format

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Mit Facebook Live können auch Seitenbetreiber seit vergangenem Jahr Live-Streamings direkt über das Netzwerk verbreiten. Hier muss aber einiges beachtet werden. So sollten medientechnische wie –rechtliche Fragen im Vorfeld geklärt werden (Einwilligung der Abgebildeten, bei über 500 Rezipienten muss ev. eine Sendelizenz eingeholt werden etc.). Außerdem sollte man den Kreis der Rezipienten über Funktionen des Live-Buttons von vornherein seiner Zielgruppe gemäß eingrenzen.
Eine direktere Verbindung zum eigenen E-Commerce stellen jedoch die relativ neuen Carousel Posting dar. Einerseits können Händler hier mehrere Produkte präsentieren und Nutzer mit einem Post gezielt auf unterschiedliche Zielseiten lenken und zweitens bietet sie diverse Möglichkeiten für das Storytelling.

Mit dem Karussell-Format kann ein Seitenbetreiber seinen Fans und Kunden in einer Werbeeinheit bis zu zehn Bilder und/oder Videos, Überschriften und Links oder CtAs zeigen. All jene, die die Werbeanzeige sehen, können anschließend durch die Karussell-Karten scrollen, indem sie auf ihren Mobiltelefonen oder Tablets „wischen“ oder am PC auf die Pfeile klicken.

 

Drei Fragen zu Facebook an Jan Firsching

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Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater ei der Agentur Brandpunkt

 Luna Journal: Herr Firsching, wie generiere ich aus Ihrer Sicht am besten Abverkäufe mit Hilfe von Facebook? Sind Likes bares Geld oder nur „nice to have“?

 Jan Firsching: Ein Like ist erst mal nichts wert. Das mag hart klingen, aber Likes sind auf Facebook Mittel zum Zweck. Dennoch profitieren Unternehmen, die eine gesunde Basis von Likes und Fans aufgebaut haben. Einmal neigen bestehende Fans eher dazu mit veröffentlichten Inhalten und Anzeigen zu interagieren. Natürlich nur, wenn Inhalte und Ansprache stimmen. Zweitens sorgen Fans für eine Verbreitung meines Unternehmens in ihrem Freundeskreis. Das wirkt sich positiv auf die Abverkäufe aus.

Welche Fehler kann man machen?

Ein Beispiel wäre Bestandskunden (oft Fans) mit Angeboten für Neukunden (keine Fans) zu bombardieren. Wie die Reaktionen hierauf ausfallen, sollte klar sein. Der zweite Fehler ist die Möglichkeiten von Facebook nicht auszuschöpfen. Nur wer seine Hausaufgaben macht, wird auf Facebook Erfolg haben. „Einfach laufen lassen“ funktioniert schon lange nicht mehr.

Was sind die Vorteile von Facebook für den E-Commerce im Gegensatz zu anderen Social-Netzwerken?

Der große Vorteil von Facebook sind die enormen Nutzerzahlen und das umfangreiche Datenmaterial, welches zur Verfügung steht. Hier können weder Twitter, Instagram, Pinterest, oder auch YouTube mithalten. Hinzu kommt, dass Facebook nicht nur viele Möglichkeiten beim Targeting bietet, sondern auch vielfältige Anzeigenformate. Neben den Reichweiten, Daten und technischen Möglichkeiten, ist die Verweildauer und hohe mobile Nutzung ein weiterer Vorteil. Instagram wird von Facebook mitgezogen und könnte sich zukünftig ebenfalls auch als Sales-Kanal etablieren. In Kombination mit Facebook und Influencer Marketing, wird es dann richtig spannend.

Bilder: Christian Baron / shutter stock / unsplash

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