Luna Journal sprach mit Firmengründer und Geschäftsführer Gerhard Gollnest von Gollnest & Kiesel über Nachhaltigkeitsbemühungen und zukünftige Pläne.

Vor 37 Jahren wurde das traditionsreiche Spielzeug-Unternehmen Gollnest & Kiesel von Gerhard Gollnest und Fritz-Rüdiger Kiesel gegründet. Seit 2016 verstärkt Frank Jungclaus die Geschäftsführung als kaufmännischer Leiter. Heute beschäftigen die Unternehmensgründer weltweit 500 Mitarbeiter in den verschiedenen Produktionsstätten und am Firmensitz in Güster.

Vier Marken haben sich unter dem Dach von Gollnest & Kiesel versammelt.
Goki ist die Hausmarke des Unternehmens. Heimess ist eine über 60 Jahre alte Marke für Baby-Spielzeug aus Holz.
Peggy Diggledey überzeugt nicht nur mit einem breitgefächerten Angebot an spannenden Artikeln, sondern leistet auch Aufklärungsarbeit.
Seit mehr als 17 Jahren werden unter dem Markennamen Holztiger mehr als 400 Spielfiguren aus Ahornholz hergestellt.
Luna Journal sprach mit Firmengründer und Geschäftsführer Gerhard Gollnest über Nachhaltigkeitsbemühungen und zukünftige Pläne.

Sie schenken jedem neugeborenen Kind in Schleswig-Holstein einen Baum und setzen sich dafür ein, dass Holz nur da entnommen wird, wo es nachwachsen kann. Geht das Prinzip bei Ihnen auf, dass Sie genauso viele Bäume nachpflanzen, wie sie verarbeiten?

Wir pflanzen jedes Jahr mehr als 25.000 Bäume an – vor allem Rotbuchen und Ahornbäume, selten ein paar Nadelbäume. Das ergibt jeweils einen richtigen Wald. So viel Holz können wir unmöglich in einem Jahr verarbeiten. Die Bilanz schlägt also eindeutig zugunsten des Waldes aus.

Mit Peggy Diggledey wollen Sie auf die Vermüllung der Weltmeere aufmerksam machen. Wie nehmen Eltern und Kinder diese informative Spielzeugserie an?

Besonders auf den Inseln und an den norddeutschen Küsten ist Peggy beliebt und erstaunlicherweise auch in Österreich und Bayern. Im Landesinneren ist Peggy dagegen noch nicht so präsent. Dabei geht Umweltschutz auch Kinder im Landesinneren etwas an. Wir hoffen, dass die kleine Abenteurerin bald auch die Herzen der Nicht-Küstenbewohner erobert.

Gollnest & Kiesel steckt den Gewinn der gesamten Peggy Diggledey-Produktlinie zu 100% in Küsten-, Meeres-, Umwelt- und Sozialprojekte. Welche besonderen Projekte konnten Sie schon realisieren? Was ist in Zukunft geplant?

Jedes Jahr pflanzt Goki einen Wald in Schleswig-Holstein. Seit 2004 konnten wir den Menschen so rund 400.000 Bäume schenken. Unsere nächste Pflanzaktion startet im April. Zudem unterstützen wir den jährlichen International Coastal Cleanup Day im September, an dem überall auf der Welt Menschen freiwillig Müll von Stränden räumen. Einige Peggy-Leser haben einen Besuch auf dem Forschungsschiff „Aldebaran“ gewonnen und konnten herausfinden, wie Plankton unter einem Mikroskop aussieht und was jeder einzelne tun kann, um weniger Plastikmüll zu produzieren. Und natürlich gehört auch soziales Engagement dazu: zum Beispiel, dass Goki Schulen in Entwicklungsländern baut.

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen mit Partnern wie terres des hommes oder Kinder in Afrika den Schulbau u.a. in Ländern wie Peru, Mali oder Uganda finanziert. Steht auch hier verantwortungsvolles Handeln auf dem Stundenplan?

Wir finanzieren den Schulbau und arbeiten eng mit Partnern vor Ort zusammen. Es werden keine externen Lehrkräfte engagiert, sondern Menschen vor Ort beschäftigt. Die Kinder werden so unterrichtet, dass die Inhalte Bezug zu ihrer Lebensumwelt haben. Die genauen Lehrpläne bestimmen die Lehrkräfte vor Ort.

Das Hauptproblem bei der Plastikthematik ist das Verpackungsmaterial. Die Regierung setzt mit dem neuen Verpackungsgesetz ein deutliches Statement und unterstreicht die Wichtigkeit, das Abfallaufkommen zu verringern. Wie wirkt sich das auf ihr Unternehmen aus?

Das Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber letztendlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Immer noch wird zu wenig Plastik recycelt und zu viel produziert. Wir bei Goki arbeiten daran, kompostierbare oder komplett recycelbare Verpackungen einzusetzen.

Sehen Sie die Möglichkeit, Plastikverpackungen größtenteils einzusparen und auf Alternativen umzusteigen?

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber die Alternativen sind da.

Besonders bedenkliche Kunststoffe sollen zukünftig aus dem Sortiment verbannt werden. Warum haben Sie sich gerade jetzt für diesen Schritt entschieden?

Keiner unserer Kunststoffe ist giftig, alles, was wir verwenden ist laut Spielzeugnorm erlaubt. Wir gehen aber weiter: Um wirklich nachhaltig und umweltfreundlich zu sein, wollen wir langfristig auf Kunststoffe verzichten. Deshalb prüft Goki gerade jedes einzelne Produkt und sucht bei verwendeten Kunststoffen nach nachhaltigen kunststofffreien Alternativen oder steigt auf Kunststoffe auf Soja- und Zellstoffbasis um. Diese Kunststoffe sind biologisch abbaubar.

Cradle to Cradle ist ihr erklärtes Ziel. Wie realistisch ist es, dieses in naher Zukunft zu erreichen? Welche großen Hürden gilt es zu überwinden?

Die gesamte Produktionskette vom Baumfällen bis zur Lieferung an den Kunden C2C zu gestalten, ist ein großes Projekt. Wir stehen für Ökoeffizienz und arbeiten daran, immer mehr Produkte komplett kreislauffähig anzubieten. Eine Hürde ist zum Beispiel, dass biologisch abbaubare Kunststoffe (z.B. Klebefolie) bisher nicht separat gesammelt werden. Sprich: Sie landen im Restmüll und werden verbrannt. Deshalb wollen wir bei Goki selbst auf mit Biofolie beklebte Kartons verzichten und eine komplett kompostierbare Verpackung anbieten.

Haben Sie schon Produkte im Sortiment, welche das C2C-Prinzipien erfüllen?

Unsere Produktlinie „Goki nature“ ist jetzt schon weitgehend C2C. Das Holz stammt – wie alles Holz, das wir verwenden – zu 100 Prozent aus nachhaltiger europäischer Forstwirtschaft. Das Holz wird zudem nicht chemisch behandelt, sondern erhält seine unterschiedliche Tönung durch erwärmen (Thermoholz). Bald soll auch die komplette Verpackung kreislauffähig bzw. kompostierbar sein.

Gerade in Deutschland spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Immer mehr Kunden fordern von den Unternehmen mehr Verantwortung zu übernehmen. Können Sie rund um den Globus länderspezifische Unterschiede ausmachen?

Wie in anderen Branchen und Lebensbereichen auch, sind vor allem Menschen in Industrienationen offen für nachhaltige Produkte. Mit unserem hochwertigen Holzspielzeug sprechen wir verantwortungsvoll handelnde Kunden an, müssen sie also nicht „missionieren“. Unsere Kunden erwarten von uns avantgardistisches Handeln. Dieser Forderung kommen wir gern nach.

 

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Link: Goki treibt seine Nachhaltigkeitsbemühungen voran

Bild: Goki

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