Packaging, Branding – hört sich abstrakt und schrecklich kompliziert an. Ist es aber gar nicht: Luna Journal hat sich in der Branche umgehört, was beim Thema Verpackung en vogue ist und womit man als Marke punkten kann.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Beim Thema Verpackung geht es vor allem um Gefühle. Denn gutes Packaging ist ein wichtiger Bestandteil einer durchdachten Brand Identity. Und soll im buchstäblich direkten Kontakt den Kunden mit auf eine Reise in eben jene Markenwelt nehmen. Wie genau das funktioniert, hat uns Doris Pesendorfer, Creative Director der Agentur moodley, erklärt.

Luna Journal: Was zeichnet eine gute Verpackung aus?

Doris Pesendorfer: Gutes Packaging erzählt immer die Geschichte des Produktes – so, dass die Menschen, die es kaufen, in die Welt der jeweiligen Marke eintauchen können. Man muss die Konsumenten ernst nehmen und auf Augenhöhe mit den Menschen kommunizieren.

Luna Journal: Gerade wenn man am Anfang steht und kein großes Budget hat – was ist in Hinblick auf Verpackung unverzichtbar?

Doris Pesendorfer: Gutes Design ist nicht unbedingt an große Budgets gebunden. Ein klarer Konzeptgedanke und eine ästhetische Inszenierung sind wesentlich.

Luna Journal: Welche Fehler sind beim Packaging besonders häufig?

Doris Pesendorfer: Zu viel zu wollen. Oft passiert es während der Designphase, dass sich Inhalte verändern oder noch dies und jenes auf der Verpackung stehen soll. Hier sind wir als Agentur gefordert, den Kerngedanken des Designs zu bewahren und nicht zu verwässern.

Luna Journal: Wie hängen Branding und Packaging zusammen?

Doris Pesendorfer: Wir versuchen generell Marken ganzheitlich zu betrachten und entwickeln jedes Design ausgehend von einer strategischen Positionierung. Das ist essenziell, um von Beginn an eine Geschichte zur Marke zu haben. Und Branding ist das visuelle Gesicht dazu. Das Packaging ist so gesehen ein weiterer Touchpoint, um mit dem Produkt in Berührung zu kommen.

Luna Journal: Was braucht es für erfolgreiches Branding?

Doris Pesendorfer: Zuallererst ein gutes glaubwürdiges Produkt. Ein klares Wertesystem, um die Welt des Produktes zu erzählen. Und einen Gestaltungsbaukasten, der sich auf verschiedene Touch Points anwenden lässt, um die Marke sichtbar und erlebbar zu machen. Es geht nicht nur darum aufzufallen, sondern vielmehr in Erinnerung zu bleiben. Das Packaging alleine kann nur einen bestimmten Teil leisten – das Produkt und die Kultur der Marke müssen stimmen.

 

Jan Sundhoff //Kind der Stadt, www.kind-der-stadt.de

Gutes Packaging funktioniert für uns durch

…eine nachhaltige und sichere Verpackung, die auch die Marke widerspiegelt. Pakete müssen nicht aufwendig gebrandet werden, ein großer Logo-Stempel wirkt häufi g schon Wunder und hinterlässt einen liebevollen, aber professionellen Eindruck beim Kunden.

Beim Verpacken unserer Produkte ist absolut unverzichtbar …

Wir verwenden zum Verpacken unserer Waren alte Pappkartons noch einmal. Das schont die Umwelt. Natürlich darf hier aber nicht das gebrandete Packband mit unserem Logo fehlen. So macht man aus Alt Neu und leistet einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz.

Unsere Kunden verbinden mit uns als Marke …

…absolute Glaubwürdigkeit bei allen Produkten, die wir anbieten. Wir nehmen nur Produkte auf, die wir mit gutem Gewissen verkaufen können und die wir für unsere eigenen Kinder auch benutzen würden. Wir verkaufen zum Beispiel keine Produkte, die wir nicht vorher selbst erlebt oder in den Händen hatten und achten auf Qualität und gute Stoffe.

 

Francisca Fischerlehner // Die wunderbare Spielkiste, www.diewunderbarespielkiste.at

Gutes Packaging funktioniert für uns durch …

Da bei uns Nachhaltigkeit und Umwelt großgeschrieben werden, ist das Thema Verpackung speziell heikel. Es soll zwar schön und zweckmäßig sein, aber nicht übertrieben, denn das würde ja den Umweltgedanken konterkarieren. Die Holz- und Kartonspielsachen sind von den Herstellern in Schachteln verpackt und kommen daher nur in gebrandete Papiersäcke. Die handgenähten Stofftiere hingegen wickeln wir in Packseide und bekleben diese mit einem Logo-Sticker. Dann kommen sie ebenfalls in eine Papiertüte. In der Weihnachtszeit bieten wir außerdem an, die Sachen gleich in Geschenkpapier einzupacken. So liegt ein Stück von uns gleich unterm Christbaum.

Unsere Kunden verbinden mit uns als Marke …

Ich glaube meine Kunden verbinden mit der wunderbaren Spielkiste hauptsächlich die gute Beratung, Spielsachen, die es nicht überall gibt, und auch Dinge, die sie ein wenig an die eigene Jugend erinnern.

Weitere Informationen:

Kreative Köpfe stellen ihre Projekte vor. Endlose Inspiration zum Thema Verpackung. www.behance.net

Das große ABC der Brand Identity. So entsteht eine Marke — Schritt für Schritt.

Alina Wheeler: Designing Brand Identity. An Essential Guide for the Whole Branding Team. 4th Edition. John Wiley & Sons 2012

Von Luisa Siller