Nach drei Insolvenzen ist nun endgültig bei dem Kettcar-Hersteller Schluss. Nach 70 Jahren muss das Traditionsunternehmen seine deutschen Werke schließen. So sei eine Herstellung, laut Kettler, in Deutschland nicht kostendeckend möglich. Die Kettler Alu-Rad GmbH, welche aus der Heinz Kettler GmbH & Co. KG hervorging, wird es auch in Zukunft noch geben.

„Wir können die Produktion nicht weiterführen. Sie ist in der heutigen Struktur nicht mehr lebensfähig“, sagt der Rechtsanwalt Martin Lambrecht, der die Kettler-Unternehmensführung in dem bereits Ende Juli eingeleiteten Insolvenzverfahren berät.

Auf einer Betriebsversammlung wurden die verbliebenen rund 550 Kettler-Mitarbeiter über die Schließungsentscheidung der Geschäftsführung in Kenntnis gesetzt. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens kam die widerrufliche Freistellung der 400 Beschäftigten.  „Mit 144 Mitarbeitern werden wir vorläufig noch weiterarbeiten, um die Produktion abzuwickeln“, so der Rechtsanwalt.

Aus der Bahn geworfen

Einen hohen Bekanntheitsgrad hat Kettler vor allem durch die Kettcars erlangt, die der Firmengründer Heinz Kettler 1961 erfand. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte der Firmengründer das Unternehmen auf dem Markt zu einem der führenden Hersteller von Sportgeräten, Fahrrädern und Gartenmöbeln etabliert. Bisher wurden mehr als 15 Millionen Kettcars verkauft.

Doch in den vergangenen Jahren lief es für das Traditionsunternehmen immer schlechter. Bereits drei Mal mussten die Firmenverantwortlichen der Kettler Freizeit GmbH, innerhalb von vier Jahren zum Insolvenzgericht gehen. Davon konnte zwei Mal eine weitere Existenz vorübergehend gesichert werden. Beim dritten Mal hingegen war das nicht mehr möglich.

Abstieg nach dem Tod von Heinz Kettler

Nach dem Tod von Heinz Kettler im Jahr 2005, fingen die Geschäfte an schlechter zu laufen. Hunderte Arbeitsplätze mussten bei Kettler 2009 abgebaut werden. Im Jahr 2015 stellte das Traditionsunternehmen erstmalig einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Nach dem Abbau von 200 Stellen und dem Verkauf der Fahrradsparte an die die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft eG (ZEG) mit Sitz in Köln, begann die Heinz Kettler GmbH & Co. KG. einen Neuanfang.

Einstieg des Finanzinvestors

2018 musste Kettler erneut Insolvenz anmelden. Zeitweise schien eine Schließung des Unternehmens sogar wahrscheinlicher als eine Weiterführung. Der Einstieg des Finanzinvestors Lafayette Mittelstand Capital zu Jahresbeginn lies nochmal etwas Hoffnung aufkommen. Damals kündigte der neue Besitzer an, er wolle mit Kettler „die Kurve von der Traditions- zur Trendmarke“ kriegen.  Aber nur nach sieben Monaten musste die Firma erneut einen Insolvenzantrag stellen. Zu der aktuell bekanntgewordenen Schließungsentscheidung äußerte sich Lafayette bisher nicht. „Ein Kettler wie bisher wird es zukünftig nicht mehr geben. Der Markenname kann möglicherweise weiterexistieren, Produkte Made in Germany wird es aber nicht mehr geben“, sagte Lambrecht.

 

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Link: Das Aus für die Kettler Freizeit GmbH.
Bild: Kettler
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