Vom 29. bis 31. Januar 2019 kamen unter dem Motto „What is love“ 19.800 internationale Fachbesucher zur Munich Fabric Start nach München. Das sind im Vergleich drei Prozent weniger Besucher als noch im Januar 2018. Dies sei zum Teil auf die aktuell, angespannte Marktsituation zurückzuführen. Luna Journal sprach u.a. mit Sebastian Klinder, Managing Director Munich Fabric Start über die Farb- und Mustertrends für SS20 und die Beeinflussung des nachhaltigen Modeansatzes durch neue Technologien.

Wie lief die aktuelle Ausgabe der Munich Fabric Start? 

Sebastian Klinder, Managing Director Munich Fabric Start: Die jüngste Veranstaltung hat deutlich gezeigt, wie wichtig eine funktionierende und optimal ausgestattete Business Plattform angesichts der Herausforderungen des Marktes ist. Die Möglichkeiten des direkten Austauschs und intensiven Networkings, wie sie die Munich Fabric Start bietet, wurden mehr denn je genutzt. 

Alle wichtigen Einkäufer und Designer waren in München vor Ort, so das einhellige Fazit nach drei Tagen Munich Fabric Start vom 29. bis 31. Januar 2019. Die aktuelle Munich Fabric Start hat gezeigt, wie symbiotisch das Verhältnis von Fashion und Technology ist. Dass in vielen Prozessen neu gedacht werden muss und es nicht mehr ausreicht, Mode vom Endprodukt her zu denken sondern vom Prozessbeginn an, bereits bei der Gewinnung des Rohstoffes. 

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit auf der Munich Fabric Start? 

Sebastian Klinder: Die Munich Fabric Start hat das Thema Nachhaltigkeit bereits früh und sehr kompetent aufgenommen. Bereits vor neun Jahren etablierte die Munich Fabric Start mit der organic selection ein Nachhaltigkeitsareal. ReSource als erweiterte Sourcing Area ist seit zwei Saisons die konsequente Weiterentwicklung des Sourcing, die neue Dimensionen von Nachhaltigkeit für eine innovative und zukunftsorientierte Produktion aufzeigt. 

Ergänzend zu ReSource zeigt Sustainable Innovations im Keyhouse das visionäre Spektrum neuester Materialinnovationen und zukunftsorientierter Sourcing-Konzepte. 

Im modernen Messebusiness geht es neben dem Sourcen von Textilien und Zutaten zunehmend darum, dass Besucher auf die richtigen Prozesspartner für nachhaltige Wertschöpfungsketten treffen und neue strategische Kooperationen eingehen können. 

Die Entwicklung neuer Technologien, die Anstrengungen nachhaltiger Produktentwicklung, die Gewährleistung transparenter Prozesse und Lieferketten zeichnet die Munich Fabric Start darüber hinaus mit dem HighTex Award aus, der Innovationspreis der Munich Fabric Start, der bereits zum 5. Mal verliehen wurde. 

Inwieweit beeinflussen neue Technologien den nachhaltigen Modeansatz? 

Sebastian Klinder: Der technologische Fortschritt eröffnet oft erst die Möglichkeiten nachhaltige Stoffe zu entwickeln und auch Ressourcen schonender zu produzieren. Durch neue Techniken und innovative Verfahren kann bei der Textilproduktion der Wasserverbrauch reduziert werden, durch Lasertechniken der Einsatz von Chemikalien. Durch die komplette Digitalisierung der Supply Chain werden zusätzliche Ressourcen eingespart. Mit den richtigen Supply Chain Partnern lassen sich nachhaltige Resultate erreichen: Dies zeigt auch die Planet REhab Kollektion von Designer Juan Carlos Gordillo, der eine Kollektion aus Tencel™ und Tencel™ x Refibra™ Fasern von Tejidos Royo entworfen hat. Die Stoffe wurden mit der Recycrom Technologie von Officina+39 gefärbt und anschließend mit einem Finish von Tonello versehen. Das Ergebnis, das auf der jüngsten Munich Fabric Start im Keyhouse besichtigt werden konnte, beweist damit eindrucksvoll, wie gerade der Nachhaltigkeitsaspekt auch als technologischer Innovationstreiber agiert. 

Welche Trends erwarten uns für Frühjahr/Sommer 2020 im Bereich Farbgebung und Muster? 

Joachim Baumgartner, Trends & Fabrics Munich Fabric Start: „WHAT IS LOVE“ lautet unser großes Überthema zur Saison Spring.Summer 20. In erster Linie geht es um die Liebe zu Stoffen, Materialien und zur Mode. Aber auch um die Liebe zur Natur, der Erde und zu unseren Mitmenschen. 

Joachim Baumgartner, Trends & Fabrics Munich Fabric Start

Eine große Tendenz an spürbarer Rustikalität zeigt sich nicht nur in Materialien, wie z.B. natürlichen Leinenmischungen, sondern auch in der Farbgebung, wo viele helle Beiges perfekt zu leuchtenden Pfirsich- und Gelbnuancen passen, die sich an hochsommerlichem Sonnenlicht inspirieren. Ebenso in zahlreichen naiven Blätter- und Blumenmusterungen im Herbarium-Stil, die gerne auf körnigen, unregelmäßigen Materialien gedruckt sind und für Natürlichkeit stehen. Neu wirken sie in der Kombination mit sommerlichen Streifen. 

Kitsch ist ein weiteres wichtiges Thema für Inspiration, Farben und Motive. In abgeschwächten Nuancen des Regenbogens passen sie wunderbar zu den vielen Farbverläufen und tonigen Batikvarianten. 

Marmorierte Musterungen in Uni und als Druck sind tolle Motive und Färbungen für neutrale, undefinierbare Musterungen, die sich an den Unregelmäßigkeiten der Natur orientieren. Die Farbmischungen von neutralen Nude und Greiges sorgen im Mix mit Mint und zarten Lilas für neue Stimmungen für Frühjahr/Sommer 2020. 

Welche Schnitte, Farben und Muster wird es im Bereich Kindermode geben? 

Joachim Baumgartner: Für uns orientiert sich der Kindermarkt nach wie vor an den oben genannten Themen. Kitsch wird hier gerne aus einem Mix aus natürlichem Gemüse, Obst- und Tiermotiven mit klassischen Sommermotiven wie Eiscreme oder Süßigkeiten zusammengestellt. Gefühlvoll und kitschig dürfen auch die Schnitte sein, die speziell im Kinderbereich an Sachlichkeit verlieren. Insgesamt wird der Sommer 2020 sinnlich und genussvoll. 

Wie wichtig sind Ökosiegel für die Textilbranche geworden? Welche Siegel sind für die Endkunden besonders wichtig und haben an Bedeutung gewonnen? 

Heike Hess, Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft – Leitung der Geschäftsstelle: Siegel, die die Nachhaltigkeit von textilen Produkten überprüfen, werden für Unternehmen und Verbraucher immer wichtiger. Den Entstehungsweg eines Kleidungsstücks vom Feld bis zum Kleiderbügel zu kennen und zu beurteilen, ist ohne entsprechende Zertifizierungen in der verzweigten und globalen Lieferkette kaum möglich, Standards dienen in diesem Zusammenhang also als eine Art Qualitätssicherung. Auch für Verbraucher sind Siegel sehr hilfreich, denn sie lassen auf einen Blick erkennen, ob und in welchem Maße ein Textil nachhaltig produziert wurde. Die bekanntesten Siegel mit hohen Bewertung durch Presse und Öffentlichkeit sind der Global Organic Textile Standard, Naturtextil Best und Made in Green. 

Welche neuen Lösungen wurden auf der Munich Fabric Start vorgestellt? 

Sebastian Klinder: Die Angebotsoffensive hinsichtlich innovativer Produktentwicklungen wächst kontinuierlich. Auch zur aktuellen Munich Fabric Start war das Portfolio progressiver und zukunftsorientierter Fabrics und Additionals groß. 

So zum Beispiel eine neue Produktentwicklung aus einer Kombination von Wolle und Cordura mit Elasthan von Becker Tuche Aachen, die dafür mit dem HighTex Award ausgezeichnet wurden. Nach Angaben von Becker Tuche verfügt das Gewebe über eine hohe Scheuerfestigkeit trotz des geringen Gewichts sowie eine sehr gute Wasserdampfdurchlässigkeit. Bevorzugte Einsatzgebiete sind leichte Outdoor-Styles sowie Streetwear und Corporate Fashion. 

Zu erwähnen an dieser Stelle ist auch ‘Relast‘ als neue GOTS- und GRS-zugelassene Denim-Linie von Candiani, die Roica Premium-Stretchgarn verwendet. Ebenso die von Invista patentierte Lycra Freef!t-Technologie für mehr Komfort und Bewegungsfreiheit. 

Darüber hinaus zeigt die Munich Fabric Start zukunftsweisende Innovationen in einem eigens kuratierten Bereich der Sustainable Innovations. Hier liegt der Innovationsaspekt in besonderem Maße auf Nachhaltigkeit. Zur aktuellen Saison präsentierte unter anderem Diana Scherer ihr Projekt „Interwoven“: Hier wird das Wurzelsystem von Pflanzen zu einem textilartigen Material geformt. Ein anderes Beispiel aus der Botanik bietet die niederländische Designerin Nienke Hoogvliets. Sie demonstrierte, wie man Algen als nachhaltige Textilfarbe verwenden und daraus ein umweltschonendes Garn herstellen kann. 

Neben Fabric Innovations gibt es auch Prozesslösungen wie die Rehab Kollektion, die im Keyhouse präsentiert wurde. Ein anderes Beispiel präsentierte das schwedische Unternehmen We aRe SpinDye®, das den Färbeprozess von Polyester in der Textilindustrie revolutioniert hat. Ihnen ist gelungen, erstmals einen in allen Stufen zertifizierten Färbeprozess zu entwickeln, der neue Maßstäbe in Punkto saubere Farben und Umweltschonung setzt. 

 

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Link: Impressionen der Munich Fabric Start

Bild: Munich Fabric Start

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