Die Veranstalter zeigten sich nach drei Messetagen sehr zufrieden. In den acht Hallen präsentierten mehr als 1.000 internationale Anbieter über 2.000 Kollektionen in den Bereichen Fabrics, Additionals, Denim und Sourcing der Saison A/W 2020/21. Durch die Bereiche BLUEZONE und KEYHOUSE wurde bestätigt, dass Content und Communication richtungsweisend für zukünftige und neuartige Kooperationen sind. Zudem zeigte sich, dass das Thema Nachhaltigkeit sehr präsent war. So setzten die Einkäufer den Fokus verstärkt auf nachhaltige und zertifizierte Stoffe.

Bereits in den letzten Ausgaben der Munich Fabric Start ließ sich verzeichnen, dass es saisonale Modetrends zukünftig immer weniger geben wird. Und die Nachhaltigkeits-Entwicklung in der Modebranche neue Lösungen fordert.  Gibt es erste Ideen in Bezug auf neue Lösungen?

Sebastian Klinder, Managing Director Munich Fabric Start: Bereits in den letzten Saisons haben wir das Thema Beyond Seasons schon sehr stark in der BLUEZONE propagiert und auf saisonübergreifende Themen aufmerksam gemacht. So rückten denn auch immer stärker Lifestylethemen in den Fokus der Trenddarstellungen sowie zielgruppenaffine Moderichtungen. Eine Entwicklung, die sich in der Folge aufgrund der immer schneller und dicht getakteten Lieferrhythmen auch in den Bereichen der Fabrics und Additionals im MOC abzeichnete. Während der letzten Munich Fabric Start wurden die Trend- und Colourforen entsprechend angepasst und gestaltet. BEYOND AWARE beschreibt sehr treffend übergreifende Strömungen und versteht einzelne Trendrichtungen als Markenwelt, die wir in zwei sehr unterschiedlichen Storekonzepten abgebildet haben: BOLD EXPRESSIONS für eine dynamische sehr plakative Mode und FORWARD ETHICS für ein bewusstes und nachhaltiges Konsumieren. Wir sind der festen Überzeugung, dass der Markt sich hin zu Einkaufserlebnissen entwickelt, die die unterschiedlichen Mentalitäten und Bedürfnisse der Endverbraucher spiegeln. BEYOND AWARE hat dazu sicherlich einen richtungweisenden Impuls gegeben, sich näher mit dieser Thematik innerhalb der einzelnen Stufen auseinanderzusetzen. Die Reaktionen der in München anwesenden Designer, Produktmanager und Einkäufer haben gezeigt, dass die Botschaft angekommen und auch verstanden wurde. 

Sebastian Klinder, Managing Director Munich Fabric Start

Verschiedene Textilhersteller gaben an, dass die Kunden vermehrt Ausschau nach skalierbaren Stoffen, saisonal unabhängigen Motiven, hielten. Macht sich diesbezüglich schon ein Wandel bemerkbar? 

Die Auswirkungen dieses Wandels hin zu Macro-Trends sind bereits sehr konkret spürbar. Wir als Messeveranstalter reagieren auf diese Verschiebungen schon seit einigen Saisons in der Darstellung übergreifender Themenkomplexe mit einem neuen Werteverständnis und weitaus größerer Langlebigkeit als in der Vergangenheit. Diese Entwicklung wird auch immer wieder umfassend und sehr konkret in den zahlreichen und hochkarätig besetzten Trendseminaren dargestellt. Nicht zuletzt in den brillanten Ausführungen von Li Edelkoort, der international anerkannten Trendexpertin, die bereits zum 6. Mal ihre Sichtweise zukünftiger Trends, Colours und Lifestylethemen einem erneut begeisterten Publikum vorstellte. 

Welche neuen Lösungen wurden im Bereich smarte Textilien vorgestellt? 

Neben der Notwendigkeit des Dialogs und Austausches ist Technologie der neue Key Factor. Smart Textile bildet dabei nur einen, wenn auch fest integrierten Teil dieser neuen Errungenschaften ab. 

Die Munich Fabric Start würdigt und unterstützt den Research & Development auf diesem Gebiet bereits seit einigen Jahren mit der regelmäßigen Vergabe des HighTex Award für herausragende Leistungen innovativer und nachhaltiger Produktentwicklungen. Ausgezeichnet werden gesamtkonzeptionelle Ansätze rund um intelligente Lösungsprozesse, innovative Highlights, Biotech, Digitalisierung und natürlich Sustainable Innovations. Zudem sind mit Muchaneta Kapfunde von FashNerd.com, der Textile-

Designerin Pauline van Dongen oder Simon Angel Experten auf dem Gebiet von Smart Textiles und Innovationen vor Ort in München, die die aktuellsten Neuheiten vorstellen. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist Digitalisierung, die durch spezielle Verfahren die vom Konsumenten geforderte Transparenz abbildet, wie zum Beispiel durch Blockchain Technologie. Zum anderen schaffen technologische Entwicklungen eine neue visuelle Ästhetik und tragen damit wesentlich zur optischen Produkt-Erneuerung bei. 

So waren denn auch das Interesse und der Andrang im KEYHOUSE groß, wenn es um technologische Interaktionen ging, wie beispielsweise bei KPMG x Microsoft mit der 3. Generation einer Mixed Reality Hololens, die ein neues Einkaufserlebnis bietet. Oder die Premiere des Digital Fabric Lab, das durch Analyseprozesse die Produktionszeit um ein Vielfaches verkürzen kann. 

‚Technology shapes Fashion’, bringt Rosanne van der Meer, Gründerin von The Girl and The Machine sowie N.I.O. New Industrial Order diese Entwicklung auf den Punkt, die ihr Projekt erstmals im KEYHOUSE vorstellte. Das Start-up designt und produziert personalisierte Knitwear auf Basis von 3D-Stricktechniken. 

Es zeigte sich auf der vergangenen Ausgabe der Munich Fabric Start, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein bei den Textilherstellern, sowie bei den Produzenten im Vergleich zum letzten Jahr sehr stark zugenommen hat. Wie erklären Sie sich den schnellen Wandel? 

Die Forderung nach nachhaltigen Produkten und einer entsprechend transparenten und Ressourcen schonenden Produktion ist eine der vordringlichsten Hauptherausforderungen für alle marktrelevanten Fabrics und Additionals. Diese Ansicht teilen auch Aussteller und Besucher der Munich Fabric Start. In zahlreichen Gesprächen wurde uns dies immer wieder bestätigt. 

Wie groß das Interesse ist, zeigte denn auch die stark ansteigende Besucherzahl in der ReSOURCE Area. Begrüßt wurde die Ausweitung des Stoffangebotes, wobei eine immer größer werdende Nachfrage nach zertifizierten Artikeln erkennbar ist. Sehr positiv aufgenommen wurde der erstmals präsentierte Bereich rund um das Thema Verpackung und Präsentation. Erfreulich zu beobachten war, wie gut die Besucher der ReSOURCE Area vorbereitet und informiert waren. So war denn auch das Interesse an dem erneut qualitativ hervorragend besetzten Vortragsprogramm sehr groß. Wir sind glücklich darüber, dass sich unser Engagement hier auszahlt und wir damit einen wesentlichen Beitrag zu Ressourcen schonenden Produkt- und Prozesslösungen beitragen können. 

Einen erneut großen Erfolg verbuchte denn auch die Area der SUSTAINBALE INNOVATIONS im KEYHOUSE. Und zeigt deutlich, wie stark das Thema Nachhaltigkeit die Modebranche beschäftigt und wie ernsthaft und intensiv hier nach innovativen Produkten und Prozessen gesucht wird. Die daraus entstehenden sehr erfolgreichen und langfristig angelegten Kooperationen bestätigen einmal mehr, wie richtig und wichtig die strategische Ausrichtung und Unterstützung der Munich Fabric Start in diesem zukunftsträchtigen Bereich ist. 

Wie zufrieden sind Sie mit der September-Ausgabe der Munich Fabric Start? 

Angesichts der aktuellen Marktsituation im deutschen und europäischen Raum sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis und der Bescherfrequenz der drei Messetage während der Munich Fabric Start. Alle Segmente und Areas waren gut besucht. Auch die neue Halle 8 wurde sehr gut angenommen. Das KEYHOUSE und die BLUEZONE erlebten die bislang stärkste Zugkraft seit Bestehen. Dies bringt eine sich verändernde Verweildauer in den jeweiligen Hallen und Segmenten der Messe mit sich. Wir beobachten eine Verschiebung der Bedürfnisse von Besuchern über das reine Sourcing von Stoffen und Zutaten hinaus – nach Content und Impulsen, nach Innovationen und Markttendenzen. 

Mit rund 20.300 internationalen Fachbesuchern wurde das Ergebnis aus dem Vorjahr im September 2018 auf konstant hohem Niveau gehalten. Im Vergleich zur Munich Fabric Start im Februar 2019 bedeutet dieses ein Plus von knapp 1 Prozent. Die Besucherverteilung nach Ländern verzeichnet mehr Besucher aus Frankreich, Großbritannien, Schweden, Dänemark, China, den USA, Südafrika sowie ost-europäischen Ländern wie der Türkei, Slowenien, Kroatien, Ungarn oder der Slowakei. 

Statements zur Munich Fabric Start

„Die Munich Fabric Start lief bei uns wie erwartet – wir sind zufrieden. Der Fokus der Einkäufer lag schwerpunktmäßig bei nachhaltigen Stoffen“, Menno Snel, Experte von polytex stoffen.

„Für uns ist dies eine fantastische Messe, um unsere Kunden zu treffen. Darüber hinaus bekommen wir viele Inspirationen und Eindrücke. Die MUNICH FABRIC START ist eindeutig meine favorisierte Messe. Hier herrscht eine sehr spezielle Atmosphäre. Die unterschiedlichsten Formen der Kreativität treffen hier aufeinander. Des Weiteren nutzen wir die Möglichkeit, unsere Produkte, Strategien und Kooperationen über Seminare zu erklären und Projekte vorzustellen. Wir haben hier in München die unterschiedlichsten Besucher begrüßen können: Amerikanische Clients, Absolventen von Hochschulen, Start ups und natürlich wichtige europäische Brands“, Tricia Carey, Lenzing Fibers.

„Wir sehen die BLUEZONE als Community Platform und als Content Hub. Auch wenn es für Produktkommunikation vielfältige Marketingkanäle gibt, so kann man doch nirgendwo eine solche 360 Grad Brand Experience bieten wie auf einer Messe. Und hier auf der BLUEZONE finden wir neben einer tollen Location auch eine sehr aufgeschlossene und interessierte Community“, Marykate Kelly, Candiani Denim.

„Zuerst habe ich es als problematisch empfunden, dass die Optik eines auf 3-D Technik entwickelten Pullis anders war als die von herkömmlichen, tradierten Strickmodellen. Erst mit der Zeit habe ich erkannt, dass es sogar ein echtes USP ist, dass 3D-Knitting einen eigenen, erkennbaren Look mitbringt, der sich von herkömmlichen Styles abhebt und die Mode damit auch optisch in die Zukunft führt“, Rosanne van der Meer, N.I.O. New Industrial Order.

 

 

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Link: Die nächste Munich Fabric Start findet vom 04. bis 06. Februar 2020 statt.

Bild: Munich Fabric Start

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