Seit drei Jahrzehnten ist nachhaltiges Wirtschaften ein Grundprinzip der Otto Group. Mit der Nachhaltigkeitsstrategie 2020 verankert der Konzern die Grundsätze nachhaltigen Wirtschaftens und macht eigenen Einschätzungen zufolge bei der Umsetzung große Fortschritte. Luna Journal sprach mit Laura Jossberger, Head of Sustainable Supply Chain Management der Otto Group, wie wichtig dem Unternehmen Nachhaltigkeit ist und welche Ziele die Nachhaltigkeitsstrategie umfasst.

Laura Jossberger, Head of Sustainable Supply Chain Management Otto Group
Laura Jossberger, Head of Sustainable Supply Chain Management Otto Group

Warum ist der Otto Group das Thema Nachhaltigkeit wichtig?

Laura Jossberger, Head of Sustainable Supply Chain Management Otto Group: Tatsächlich ist Nachhaltigkeit ein Herzensthema von der Otto Group und von Prof. Michael Otto selbst. Es ist eng mit unserem Anspruch verzahnt, so zu wirtschaften, dass nachfolgenden Generationen daraus kein Nachteil erwächst. Schließlich sehen wir es bei der Otto Group als unsere Verantwortung an, nicht auf Kosten von Mensch und Natur zu wirtschaften, sondern zu ihrem Wohle. Darüber hinaus ist unser Engagement für Nachhaltigkeit langfristig auch eine Investition in die Zukunft der Otto Group. Denn wir glauben, dass das Wirtschaften mit Respekt für Mensch und Natur für Unternehmen vielerlei Nutzen mit sich bringt, wie z.B. eine bessere Ressourcensicherheit, niedrigere Energiekosten und eine höhere Mitarbeiterbindung. Umweltschutz und Sozialverantwortung gehören daher bereits seit Mitte der 80er Jahre zu der DNA der Otto Group.

Wo beginnt für Sie Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit muss im großen Ganzen gedacht werden. Für die Otto Group beginnt das auf dem Baumwollfeld, beim Holzanbau, der Energieerzeugung und dem Energieverbrauch sowie bei den Menschen in den Fabriken und an unseren eigenen Standorten. Dabei meinen wir: Unternehmen tragen nicht nur soziale Verantwortung im eigenen Haus, sondern müssen sich auch verantwortlich fühlen für die Einhaltung bestimmter Sozialstandards bei Zulieferbetrieben. Vor allem in anderen Ländern, in denen eine Umwelt- und Sozialgesetzgebung nicht den gleichen Stellenwert besitzt wie bei uns. Diesem Anspruch wollen wir durch unser Engagement in Sachen Nachhaltigkeit gerecht werden.

Sie verwenden nachhaltige Baumwolle zur Produktion Ihrer Eigen- wie Lizenzmarken. Was soll bei einer nachhaltigen Herstellung beachtet werden?

Unser Ziel ist es, bei Eigen- und Lizenzmarken bis 2020 ausschließlich Baumwolle aus nachhaltigem Anbau zu verwenden. Dazu bauen wir auf Baumwolle der Initiative Cotton made in Africa (CmiA) sowie aus zertifiziertem Bio-Anbau. CmiA setzt sich für den umweltfreundlichen Anbau von Baumwolle sowie bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für afrikanische Kleinbauern ein. Zudem unterstützt die Initiative Kleinbäuerinnen auf ihrem Weg zu mehr Unabhängigkeit und macht sich für die Rechte von Kindern stark. Sie schließt gentechnisch verändertes Saatgut, gefährliche Pestizide laut internationaler Konventionen sowie das Abholzen von Primärwäldern aus und setzt beim Baumwollanbau ausschließlich auf Regenfeldanbau.

Woran erkennen die Kunden, ob ein Unternehmen umweltschonend agiert und dies nicht nur vorgibt?

Für den Kunden ist das oftmals wirklich schwierig zu erkennen. Einem T-Shirt beispielsweise sieht man ja nicht unbedingt an, unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Anhaltspunkte für den Kunden können aber Labels für nachhaltige Produkte sein. OTTO informiert z.B. mit dem GOODproduct-Label über nachhaltige Produkte. Auch Bonprix nutzt seit einigen Monaten ein eigenes Kennzeichnungslabel, um eine leichtere Orientierung für den Kunden zu bieten. Außerdem arbeiten wir bei der Otto Group bereits seit vielen Jahren mit bundesweit etablierten Umweltgütesiegeln und Initiativen wie z.B. Cotton made in Africa, FSC, Goodweave, GOTS oder Blauer Engel.  Zudem widmet die Otto Group dem Thema Nachhaltigkeit seit Jahren auch im Geschäftsbericht ein Kapitel, in dem wir unser Engagement für den Kunden transparent machen und Rechenschaft ablegen. Darüber hinaus informieren wir umfassend auf unserer konzernweiten Website über unser Nachhaltigkeitsprogramm.

Wann sollte ein Unternehmen Verantwortung beim Thema Nachhaltigkeit übernehmen?

Die Verantwortung, das Thema Nachhaltigkeit mitzudenken, begleitet uns bei der Otto Group auf jedem Schritt unseres unternehmerischen Handelns. Die richtige Antwort auf diese Frage ist deshalb: von Anfang an. So nehmen wir die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick – also den Weg der Waren von der Gewinnung der Ressourcen über ihre Verarbeitung zum fertigen Produkt und dessen Vertrieb bis hin zur Nutzung und Entsorgung durch den Konsumenten.

Die Otto Group hat einen Managementprozess namens „impACT“ entwickelt. Was hat es damit auf sich?

impACT bildet die Grundlage für unser nachhaltiges Handeln. Der Managementprozess ermittelt alle Auswirkungen (impact) des geschäftlichen Handelns der Otto Group und leitet daraus zielgerichtete Aktivitäten (act) ab. Dafür werden zum einen die Auswirkungen auf die Umwelt und die sozialen Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette untersucht. Zum anderen werden interne und externe Stakeholder befragt und auch externe Kosten berücksichtigt. Anhand der Ergebnisse dieser sogenannten Wesentlichkeitsanalyse entwickeln wir strategische Ziele und operative Maßnahmen. So können wir unsere finanziellen und personellen Mittel gezielt dort einsetzen, wo sie die größte Wirkung entfalten. Die Maßnahmen werden unter dem Dach der Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt.

Was möchten Sie mit Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie erreichen? Welche Erfolge machen sich bereits sichtbar?

Wir arbeiten an der schonenden Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen wie Textilien, Möbel und Papier, der Einhaltung von Sozialstandards bei Lieferanten in der Endfertigung und der Verbesserung unserer CO2-Bilanz. Unsere Ziele sind ambitioniert, aber wir sind auf dem besten Weg sie umzusetzen: 2017 konnten wir die Ordermenge für nachhaltige Baumwolle deutlich auf 78 Prozent steigern. Mit der Abnahme von mehr als 27.100 Tonnen CmiA-zertifizierter Baumwolle haben wir dazu beigetragen, dass mehr als 57 Milliarden Liter Wasser beim Baumwollanbau eingespart wurden. Im letzten Jahr ist darüber hinaus der Anteil FSC®-zertifizierter Produkte am gesamten Möbelsortiment auf 52 Prozent gestiegen, was einer Menge von mehr als 32.000 Artikeln entspricht. Außerdem sind unsere CO2-Emissionen um 42 Prozent im Vergleich zu 2006 gesunken.

Welche Motive verfolgt die Otto Group mit ihrem Engagement für nachhaltige Baumwolle? Wie kommt dieses bei den Otto-Kunden an?

Da Baumwolle das Textilsortiment der Otto Group deutlich vor anderen Fasern wie Polyester, Viskose oder Wolle dominiert, legen wir in unserer Textilstrategie ein besonderes Augenmerk darauf. Bis 2020 soll für den Einsatz bei Eigen- und Lizenzmarken ausschließlich nachhaltige Baumwolle bezogen werden. Für viele Kunden ist gerade diese nachhaltige Ausrichtung der Otto Group ein wesentlicher Faktor. Wir beobachten, dass das Thema Nachhaltigkeit im Alltag angekommen ist. Beim Einkauf achten die Verbraucher zunehmend darauf, wie nachhaltig hergestellt und umweltverträglich die Produkte sind, die sie konsumieren. Die Menschen haben den Wunsch, nicht zu Lasten von Mensch und Natur zu konsumieren. Das Thema Nachhaltigkeit spielt neben Preis und Qualität eine immer wichtigere Rolle bei der Kaufentscheidung.

Mit dem Angebot von zertifizierten Holzmöbeln leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Thema Klima- und Artenschutz. Welche Anforderungen müssen für eine solche Zertifizierung erfüllt werden?

Zertifizierte Holzmöbel tragen bei uns das Logo des Forest Stewardship Council (FSC®). Dieses signalisiert dem Verbraucher, dass das Holz aus nachhaltiger und umweltgerechter Waldbewirtschaftung stammt. Damit hat der Kunde die Möglichkeit, sich bewusst für Produkte aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft zu entscheiden. Der FSC® definiert weltweit einheitliche Grundprinzipien. Durch strenge Bewirtschaftungskriterien werden unkontrollierte Abholzung, Verletzung der Menschenrechte oder eine zu große Belastung der Umwelt vermieden. Grundlegende Waldfunktionen bleiben dadurch erhalten.

Wie ermöglichen Sie sichere und faire Arbeitsbedingungen in Schwellen- und Entwicklungsländern?

Die grundsätzlichen Anforderungen an die Arbeitsbedingungen bei unseren Lieferanten sind in unserem Code of Conduct (Verhaltenskodex) geregelt. Dieser wurde seit 1996 stetig weiterentwickelt und bildet die Grundlage für alle Geschäftsbeziehungen mit der Otto Group. Er basiert u.a. auf den Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO), der UN-Kinderrechtskonvention sowie der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen. Zur Einhaltung dieser Standards gibt es ein eigenes Sozialprogramm, dessen Ziel es ist, Transparenz über die Lieferkette zu schaffen, Arbeitsbedingungen zu überprüfen und eine nachhaltige Verbesserung der Sozialstandards durch Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen der Lieferanten zu erreichen. Die Kosten für diese Weiterbildungsmaßnahmen werden von der Otto Group getragen. Bei der Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten in der globalen Lieferkette setzen wir auch auf ein gemeinsames Engagement mit anderen. Wir beteiligen uns an einer Vielzahl von nationalen und internationalen Initiativen, sind Mitglied in diversen Organisationen und stehen in regem Austausch mit Vertretern aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Denn gemeinsam können wir viel mehr erreichen.

Welche Ziele hat die Otto Group sich für die Zukunft gesetzt? Inwieweit soll die Nachhaltigkeitsstrategie noch optimiert werden?

Mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie 2020 konzentrieren wir uns auf die Reduzierung der negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zu den Zielen gehören z.B. die vollständige Umstellung der Baumwollmenge für Eigen- und Lizenzmarken auf nachhaltig angebaute Baumwolle oder die Halbierung der standort-, transport- und mobilitätsbedingten CO2-Emissionen. Mit Blick über 2020 hinaus, arbeitet die Otto Group an neuen ambitionierten Zielen einer Nachhaltigkeitsstrategie 2025. Hier werden insbesondere die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs), eine wichtige Rolle einnehmen. Darüber hinaus haben sich einzelne Unternehmen der Otto Group bereits ehrgeizige Ziele für die nächsten Jahre gesetzt. So verfolgt beispielsweise Hermes das strategische Ziel, bis 2025 Waren emissionsfrei in deutschen Städten zuzustellen.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

“The Key to Confidence”: Oeko-Tex veröffentlicht weitere Ergebnisse der Nachhaltigkeits-Studie

Die Make Fashion Circular Initiative sorgt für mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche

 

Link: www.ottogroup.com

Bild: Otto Group

//JP