Wie setzt der Handel neue Konzepte um, damit Käufer länger bleiben und mehr shoppen? Das hat das EHI Retail Institute untersucht.

Shoppen ist längst keine Notwendigkeit mehr, sondern für immer mehr Verbraucher eine liebgewonnene Freizeitbeschäftigung. Diesem Hobby möchten sie da frönen, wo sie am meisten geboten bekommen. Immer mehr Shoppingcenter reagieren darauf, indem sie neue Konzepte entwickeln. Denn: Für neue Einkaufstempel ist im hart umkämpften deutschen Markt immer weniger Platz. Um bei den Kunden zu punkten, müssen sich die Händler mit positiven Zusatzangeboten von der Konkurrenz anheben. Wie neue Konzepte aussehen können, hat das EHI Retail Institute untersucht. Demnach gab es zu Jahresanfang in Deutschland 483 Shoppingcenter mit einer Mietfläche von über 10.000 Quadratmetern. Gerade einmal vier neue Einkaufszentren kamen 2018 hinzu, während 2017 kein neues Shoppingcenter eröffnet wurde. Um bei den Kunden zu punkten, setzen viele Einkaufszentren auf den Erlebnisfaktor. Das betrifft vor allem das gastronomische Angebot. Kreative Food-Courts – zum Beispiel mit neuer asiatischer oder vegetarischer Küche – sollen dem Kunden eine Wohlfühlpause bieten und für eine höhere Verweildauer sorgen.

Mukk in Münster nutzt neue Konzepte schon länger

Aber auch Events, Spielmöglichkeiten und eine gelungene Dekoration machen den Besuch des Shoppingscenters zum Erlebnis. Mit solchen Aktivitäten heben sich Geschäfte vom Onlinehandel ab. Es sind weniger neue Konzepte, sondern vielmehr kreative Ideen, mit denen sich Händler über ihr eigentliches Geschäftsfeld hinaus engagieren. In der Spielwarenbranche gibt es zahlreiche Beispiele. Als Erlebniskaufhaus bezeichnet Miteigentümer Jürgen Budke das Konzept der Mukk Kinderwelt in Münster. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa verriet er Details des Erfolgsrezepts. So gibt es ein Karussel, eine Rutsche und Services wie eine persönliche Beratung durch den Chef, eine Carrera-Rennstreckenplanung oder eine Trageberatung. Zudem werden regelmäßige Events veranstaltet. Für Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Handelsverband Spielwaren, ist das der richtige Weg: „Wir müssen da sein, wo unsere Kunden sind und sie dort abholen, wo sie sich informieren oder einkaufen wollen. Am Ende sorgt die gelungene Mischung aus Top-Mitarbeitern und Top-Geschäft für begeisterte Kunden. Das kann das Internet allein nicht bieten.“

Shoppingcenter verändern sich und bieten auch Wohnraum

Das sehen auch immer mehr Shoppingcenter-Betreiber so. Neue Konzepte sind für sie überlebenswichtig. Neben dem Trend zur Festivalisierung mit Events und besonderen Aktionen gibt es einen weiteren neuen Fokus. Immer mehr Center setzen auf Mixed Use. Büros, Wohnungen oder auch Hotels werden in Shoppingcenter integriert. Damit sollen die Einkaufszentren noch stärker in der Stadt verankert werden. Gleichzeitig reagiert die Branche damit auf die vor allem in den Innenstädten gestiegene Nachfrage nach Büro- und Wohnraum. Ein Beispiel dafür ist das Marktquartier im nordrhein-westfälischen Recklinghausen. Dort wird das ehemalige Karstadt-Gebäude umgebaut. Neben Einzelhandel und Gastronomie sind dort auch ein Hotel, betreutes Wohnen, Büros und eine Kindertagesstätte geplant. Das alles in bester Lage mitten in der City.

 

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Bild: Das EHI Retail Institute hat neue Konzepte für Einkaufszentren analysiert.

//KH