PlanToys steht für Nachhaltigkeit und die Vermittlung von Werten. Alain De Rauw, Internationaler Sales Director von PlanToys, sprach mit uns über die Verantwortung von Unternehmen und die Bedeutung, schon Kinder über Nachhaltigkeit zu informieren.

Mit ihrer Wonky Fruit and Vegetables Serie in Kooperation mit dem niederländischen sozialen Unternehmen Kromkommer bringt der thailändische Spielzeughersteller PlanToys nachhaltige Erziehung direkt ins Kinderzimmer. Mit diesem Spielzeug soll auf die Verschwendung von Lebensmitteln aufgrund ihrer Optik aufmerksam gemacht werden. Luna Journal sprach mit Alain De Rauw, Internationaler Sales Director von PlanToys, über Nachhaltigkeit und die Verantwortung, die Unternehmen dabei tragen.

Herr de Rauw, wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Alain De Rauw, Internationaler Sales Director von PlanToys: Nachhaltigkeit ist einfach zu definieren. Wenn Sie nachhaltig sein oder so nachhaltig wie möglich arbeiten wollen, müssen Sie das Gesamtbild sehen. Schon zu Beginn, wenn Sie Ihr Geschäft starten, sollten der Aufbau des Unternehmens, die nachhaltige Denkweise, die soziale Verantwortung und wie Sie sich in Zukunft sehen, klar definiert sein.

PlanToys ist ein thailändisches Unternehmen, das 1981 von Vitool Viraponsavan gegründet wurde, um die Verschmutzung in Thailand zu stoppen. Man muss wissen, dass Thailand die größte Kautschukbaumplantage der Welt besitzt. Diese Bäume wurden wegen ihres Gummis gepflanzt. Nach circa 25 Jahren stellt Mutter Natur die Produktion des Qualitätskautschuks ein. Dann verbrennen die Bauern die gesamte Plantage, um neue Kautschukbäume zu pflanzen und neuen Gummi zu erhalten. Die Verschmutzung durch die Verbrennung dieser Bäume war schrecklich. Vitool wollte den Kindern in ihrer Entwicklung helfen, indem er ihnen Holzspielzeug schenkte – Spielzeug aus diesen Kautschukbäumen. Wir stellen seit 1981 Holzspielzeug her und holzen nie einen Baum aus dem Wald ab, sondern verwenden nur recycelte Hölzer aus Plantagen. Er war der erste Mann, der dieses Holz benutzte. Heute verbrennt es niemand mehr. Wir sind also mehr als glücklich, dass er dieses Geschäft gestartet hat.

Ist ihr Unternehmen denn FSC zertifiziert?

Wir sind kein FSC zertifiziertes Unternehmen und stolz darauf. Denn wenn man FSC zertifiziert ist, muss man zuerst den Wald zerstören. Da wir nie einen Baum aus dem Wald abholzen, sondern nur recyceltes Kautschukbaumholz aus Plantagen verwenden, sind wir besser als FSC-Unternehmen.

Wir behandeln das Holz nie mit Chemikalien. Wir trocknen das Holz, indem wir es in einen großen Ofen stellen, um es so natürlich wie möglich zu trocknen. Das ist zeitaufwendig und teurer, aber das ist uns egal.

Jedes einzelne Spielzeug, das wir herstellen, wird in unserer eigenen Fabrik hergestellt. Wir haben keinen Drittanbieter.

Wir haben unsere Fabrik in der Mitte der Plantagen, um große Entfernungen zu vermeiden. So können wir den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich halten. 73 Prozent unserer Ressourcen befinden sich in einer Entfernung von 30 Kilometern um unsere Fabrik herum!

Die Wonky Fruits and Vegetables werden aus PlanWood hergestellt. Was genau ist PlanWood?

Wenn wir Holzspielzeug herstellen, entsteht viel Sägemehl. Dies wird als Abfall bezeichnet. Wir hassen Verschwendung und kreieren etwas Neues aus dem Abfall. Also haben wir viele Dinge ausprobiert, um einen Weg zu finden, dieses Sägemehl auch zu verwenden. Nach einigen Jahren haben wir endlich einen Weg gefunden und das geschaffen, was wir PlanWood nennen. PlanWood ist das Sägemehl, das wir mit 100 Prozent organischen Pigmenten aus Blumen, Kräutern, Obst und Gemüse mischen. Diese beiden Materialien mischen wir mit weniger als 1 Prozent natürlichem E-Zero-Kleber Non-Formaldehyd. Damit sind wir das erste und immer noch einzige Unternehmen, das Holz ohne Zugabe von Chemikalien formen kann. Deshalb können wir auch Holzspielzeug für das Wasser herstellen und das ist einzigartig.

Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln: wenn wir ein Produkt aus Massivholz herstellen, haben wir etwa 1 Kilogramm CO2-Ausstoss. Wenn wir das gleiche Produkt aus PlanWood herstellen sind es nur 450 Gramm.

Welche weiteren Maßnahmen werden bei PlanToys umgesetzt, um möglichst nachhaltig zu produzieren?

Unsere Verpackungen, Kisten und Kataloge bestehen aus Recyclingpapier und werden mit Sojatinte bedruckt.

Wir gewinnen unsere eigene Energie, indem wir alle Holzreste wie Wurzeln und Äste nutzen. Wir verfügen über ein eigenes Kraftwerk. Die gesamte Energie, die wir für die Fabrik benötigen, wird daraus gewonnen.

Alle Menschen, die in unserer Fabrik arbeiten, sind Menschen und Familien, die in den Dörfern um unsere Fabrik herum leben und jeden Tag nach Hause gehen. Und das nicht nur einmal im Jahr, wie es in China während des chinesischen Neujahrsfestes üblich ist.

In den letzten zehn Jahren hat die PlanToys-Gruppe über 300.000 Bäume in  Gebieten im Nordosten Thailands, wo die Menschen schon vor langer Zeit Wälder zerstörten, gepflanzt. Wir als Unternehmen versuchen, der Natur etwas zurückzugeben.

In unserer Provinz (Trang) spenden wir auch viel Spielzeug für Schulen und Kindergärten. Und wenn den Kindern diese Produkte kaputt gehen, haben wir eine Art „Spielzeugdoktor“, der diese Spielzeuge nach Möglichkeit repariert.

Wir unterstützen auch eine wunderbare Organisation namens „Mom Made Toys“. Es ist nicht meine Absicht, PlanToys damit in den Fokus zu rücken. Ich weise darauf hin, weil ich der Überzeugung bin, dass wir alle diese Art von Programmen unterstützen sollten. Ich weiß, dass viele Unternehmen sehr wenig oder gar nichts tun, aber wenn sie etwas tun, machen sie eine große Ankündigung an die Presse, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Das tun wir nicht, wir helfen einfach!

Alle unsere Vertriebspartner kaufen die Produkte direkt von unserem Werk in Thailand. Seit 2014 verfügen wir auch über ein europäisches Lager mit Sitz in Belgien, um den europäischen Markt zu bedienen. Wenn Sie also dringend etwas brauchen das ausverkauft ist, müssen Sie eine Bestandsaufnahme von diesem Lager machen. Wir akzeptieren nicht, dass einer unserer Vertriebspartner in Europa extra etwas einfliegen lässt, denn die Verschmutzung durch diese Frachtflüge muss vermieden werden.

Wenn ein Endverbraucher ein Produkt hat, das er auf einem Gebrauchtmarkt gekauft hat und einige Teile fehlen oder zerbrochen sind, versuchen wir immer, diesen Menschen zu helfen, wenn sie uns bitten, ein Ersatzteil zu kaufen oder zu bekommen. Unsere Mitarbeiter haben viel Leidenschaft und Liebe in die Herstellung dieser Spielzeuge gesteckt, also wollen wir diesen Spielzeugen ein sehr langes Leben geben. Deshalb tun wir das alles.

Mit den Wonky Fruits und Vegetables heben Sie den Nachhaltigkeitsgedanken auf ein neues Level. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Wir versuchen tatsächlich, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es so traurig ist, dass Millionen von Tonnen Obst oder Gemüse, die nicht die „perfekte“ Form haben, weggeworfen werden. Gleichzeitig sterben Menschen an einigen Orten auf diesem wunderbaren Planeten, weil sie kein Essen haben. Zusammen mit der niederländischen Organisation Kromkommer haben wir beschlossen, dass wir gemeinsam etwas tun sollten, um Menschen, insbesondere Kinder darauf aufmerksam zu machen.

So hat alles angefangen und wir sind sehr stolz darauf, denn wir haben das Gefühl, dass wir wieder mehr tun, als nur Spielzeug herzustellen. Es ist eine Aussage.

Wie wichtig ist es, den Kindern einen bewussten Umgang mit Konsum und Nachhaltigkeit nahezubringen?

„Bessere Kinder für eine bessere Welt“, das ist unser Slogan. Wir müssen den Kindern beibringen, wie man sich verhält und wie man im Einklang mit der Natur lebt. Die Kinder werden dann auch die Eltern oder Großeltern unterrichten oder korrigieren. Und wir glauben wirklich, dass sie die Welt verändern können. Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder, um in unserer heutigen Welt kreativ zu sein, das Spielen mit echtem Spielzeug erleben müssen!

Wie nehmen die Kunden, insbesondere die Kinder, das „nicht makellose“ Spielzeug an?

Ich muss Ihnen sagen, dass wir mit der Reaktion der Fachleute sehr zufrieden sind. Als sie sahen, dass wir planen dieses Set zu machen, sagten alle, dass dies eine super Idee ist. Von der ersten Minute an, in der wir die Ankündigung machten, hatten wir sehr viele Endverbraucher, die uns zu der Idee gratulierten und fragten, wann und wo sie dieses Set kaufen könnten. In einigen Städten, als wir den Kindern die Gurke zeigten, konnten sie uns nicht sagen, was das für ein Gemüse ist. Sie erkannten nicht, dass es sich um eine Gurke handelte. Ist das nicht traurig? Wir werden alles tun, um die Kinder auf dieses unperfekte Obst und Gemüse aufmerksam zu machen und ihnen zu vermitteln, dass es genauso schmeckt wie die „perfekten“ Gegenstücke.

Immer mehr Kunden fordern nachhaltige Produkte und sind auch bereit dementsprechend mehr zu bezahlen. Wie sollten Unternehmen auf diese Forderungen reagieren?

Wir stellen in der Tat fest, dass immer mehr Verbraucher nachhaltige Produkte verlangen und dafür auch etwas mehr bezahlen wollen. Auch der Markt hat dies bemerkt und viele von ihnen nutzen die „Nachhaltigkeit“ nur als Marketinginstrument und das ist traurig. Viele Unternehmen sagen, dass sie durch die Verwendung von FSC-Holz nachhaltig sind, weil viele Endverbraucher das Label FSC kennen und denken, dass es dann in Ordnung und nachhaltig ist. Wir als Unternehmen versuchen, Menschen und Unternehmen zu inspirieren, das Gleiche zu tun wie wir.

Was ich also den Unternehmen vorschlagen kann, ist, dass sie, wenn sie wirklich nachhaltig sind, ihre Küche öffnen und dies auch zeigen sollten. Sie sollten über die Details sprechen und die Endverbraucher informieren. Transparenz ist sehr wichtig, weil die Menschen nicht mehr naiv sind. Wenn sie herausfinden wollen, wie nachhaltig ein Unternehmen ist, werden sie es früher oder später herausfinden. In einem der letzten Artikel, die Sie geschrieben haben, haben Sie über ein Unternehmen geschrieben, das behauptet, einer der größten Hersteller der Welt zu sein – und ich kann bestätigen, dass es das ist. Aber es ist nicht der größte Hersteller von nachhaltigem Spielzeug. Einige Leute sind geschäftsorientiert. PlanToys wird nicht vom Geschäft bestimmt, sondern von unserem Satz: Bessere Kinder für eine bessere Welt.“

Wir versuchen auch, den Menschen beizubringen, „weniger, aber besser“ zu kaufen.

Wie viel gesellschaftliche Verantwortung tragen Ihrer Meinung nach die Unternehmen bei der Nachhaltigkeits-Thematik?

Ich fürchte, dass dies für die meisten Unternehmen noch wenig ist. Ich möchte nicht sagen, dass PlanToys das einzige Unternehmen ist, aber ich bin seit fast 30 Jahren in der Branche und habe viele Dinge gesehen. Nach außen hin scheinen also viele sozial verantwortlich zu sein, aber die Realität ist weit davon entfernt.

PlanToys verfolgte von Anfang an eine nachhaltige Mission. Welche Maßnahmen um den  Umwelteinfluss zu minimieren würden Sie als einen Ihrer größten Erfolge benennen?

Ich würde drei Sachen benennen:

  • 1981 erstes Unternehmen der Welt, das Holzspielzeug aus recyceltem Gummiholz herstellt
  • Ab 2011 wird PlanWood als neue Fertigungstechnik mit Sägemehl eingesetzt. Dank dieser Technik haben wir ein Guthaben von 40.000 Tonnen Kohlenstoff.
  • 73 Prozent aller unserer Ressourcen befinden sich in einer Entfernung von 30 Kilometern um die Fabrik herum.

Was sind Grenzen nachhaltiger Wirtschaft in ihrem Unternehmen?

Wir haben unsere Grenzen in finanzieller Hinsicht. Investitionen in die Suche nach der nachhaltigsten Arbeits- und Handlungsweise kosten viel. Wir wissen, dass wir mit unserer Mission nie in Massenmärkte vordringen werden. Das ist auch nicht unser Ziel. Unsere Produkte soll es in Off- und Online-Shops geben, die unsere Botschaft verstehen und unsere Botschafter werden wollen. Menschen, die sich die Zeit nehmen wollen, unsere Botschaft zu teilen. Wir haben also eine Begrenzung der Plätze und des Umsatzes, aber das ist in Ordnung. Solange wir diese Nische berühren können, sind wir glücklich. Weniger, aber besser.

Vor über 30 Jahren waren Sie Vorreiter in Sachen nachhaltige Spielwaren. Welche Trends in der Branche konnten Sie in dieser Zeit beobachten?

Es war nicht einfach, ein Pionier zu sein. Am Anfang lachten einige Leute in der Branche und nahmen PlanToys nicht ernst. Das war schon immer ein Problem. Vom ersten Tag an waren wir Trendsetter. Und dann konnten wir nach einigen Jahren sehen, dass sie versuchen, uns in Form von Produkten, Kommunikation und Trends zu kopieren.

Ich erinnere mich an 2011, als wir PlanWood zum ersten Mal in Nürnberg während der Spielwarenmesse zeigten: die Leute dachten, dass dies das Ende von PlanToys sei, weil dieses Material verwendet wurde. Aber ein paar Jahre später versuchen viele Leute aus der Industrie, mit uns an dem Material zu arbeiten oder herauszufinden, wie man es herstellt. Lustig. Aber wie ich bereits erwähnt habe, begeistern wir gerne Menschen. Heute hat die gesamte Branche großen Respekt vor PlanToys und Vitool. PlanToys bedeutet etwas.

Nach dem Erfolg von Wonky Fruits & Vegetables – Planen Sie in Zukunft ähnliche Projekte?

Auf jeden Fall. Wenn wir helfen können, Kinder und Eltern auf etwas aufmerksam zu machen, das wir ändern können, um eine bessere Welt zu schaffen, werden wir es tun.

 

So sehen die Wonky Fruits & Vegetables aus:

 

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Bild: PlanToys

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