Käthe Kruse Puppen sind nicht nur begehrte Sammlerobjekte, sondern wie vor über 100 Jahren beliebte handgefertigte Mitbewohner 
in Kinderzimmern – bald überall auf der Welt.

„Käthe Kruse war eine beeindruckende Persönlichkeit. Sie war eine der weltweit bekanntesten Puppenmacherinnen und eine Pionierin ihrer Zeit. Als ich ihre Biographie gelesen hatte, war ich berührt und konnte nicht mehr zurück.“ So begründet Peter Handstein, CEO der Hape Holding AG, die Übernahme der Käthe Kruse Produktions- und Vertriebs GmbH durch sein Unternehmen im Jahr 2013. Der Puppenhersteller, der zahlreiche Generationen kleiner Mädchen aus Elternhäusern mit nicht ganz kleinem Portemonnaie zu einer glücklichen Kindheit verholfen hat, war in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

Die Schweizer Hape Holding
 AG wurde 1986 von dem Deutschen Peter Handstein gegründet. Das Unternehmen produziert inzwischen für 60 verschiedene Länder und Regionen und ist mit einem Umsatz von 120 Millionen Euro im Jahr 2015 und einer zwanzigprozentigen Wachstumsrate nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bereich Holzspielwaren. Dabei erwirtschaftet die Eigenmarke Hape Toys derzeit gut ein Drittel des Umsatzes.

Der weitaus größere Teil entfällt auf die Produktion von Spielwaren für viele führende Unternehmen und bekannte Marken. Hinsichtlich genauerer Angaben hierzu hält man sich jedoch bedeckt. Die Firma Käthe Kruse trägt mit vier Prozent zum Gesamtumsatz bei. Schwarze Zahlen schreibt man dort laut Handstein noch immer nicht. Aber die Traditionsmarke im Premiumplusbereich erhöht auch den Bekanntheitsgrad des Unternehmens Hape. Bei der Übernahme verkaufte Käthe Kruse 70 Prozent seiner Produkte in Deutschland. Handstein sprach damals schon von der Notwendigkeit einer verstärkten Exportorientierung. „Käthe Kruse profitiert von der internationalen Mutterfirma Hape“, sagt Handstein heute. Besondere Möglichkeiten zur Exportsteigerung sieht er in China, wo Hape auch Spielwaren herstellt.

„Der Markt in China wird wegen der neuen Zwei-Kind-Politik bald explodieren.“

peter-handstein_hape
Peter Handstein, CEO Hape Toys

Die traditionellen Puppen von Käthe Kruse werden seit 1911 von heute 40 Mitarbeitern in Handarbeit ausschließlich in Donauwörth in Deutschland produziert. Sie machen zehn Prozent der Produktion von Käthe Kruse aus. „Es ist nicht pure Nostalgie, die den anhaltenden Erfolg von Käthe Kruse Puppen erklärt“, so Handstein. „Das richtige Gespür für den Zeitgeist hat von Anfang an dazugehört.“ So wird das Sortiment der Sammlerpuppen inzwischen ergänzt durch Käthe Kruse Babyartikel, wie beispielsweise Schmusetücher, und Spielpuppen aus Vinyl, die 60 und 30 Prozent des Umsatzes von Käthe Kruse ausmachen. Sie sind „Made in Europe“. Das Design entsteht in Donauwörth, die Produktion findet größtenteils in Lettland in der eigenen Manufaktur statt.

Die erste Puppen-Werkstatt von Käthe Kruse war in Bad Kösen an der Saale ansässig, seit gut 100 Jahren wird im schwäbischen Donauwörth nach dem Kruseschen Grundsatz in Handarbeit gefertigt: „Die Hand geht dem Herzen nach, denn nur die Hand kann erzeugen, was durch die Hand wieder zum Herzen geht.“

e3126-cook-n-serve-kitchen-with-child-4
Kinderküche aus Holz von Hape Toys

Das gilt für die Sammlerpuppen noch heute. Aber auch die Spielpuppen haben handgemalte Gesichter, was jede Puppe zu einem Unikat macht. Zudem ist Käthe Kruse als weltweit einziger textiler Spielwarenhändler vom Bund der Freien Waldorfschulen lizenziert, die besonderen Waldorf-Puppen, die zu 100 Prozent aus organischem Material bestehen, herzustellen. In allen Unternehmen der Hape Holding legt Handstein Wert auf die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards. Auf dem globalen Markt nimmt Handstein eine Veränderung innerhalb der Vertriebsstrukturen wahr: „Spielware wird heute schon zum großen Teil nicht mehr im klassischen Spielwarenhandel vertrieben.“ Außerdem werde das Thema Lizenz immer wichtiger.

Auch der europäische Markt verändere sich. „Der Marktanteil der größeren Unternehmen wächst entweder durch Eigenentwicklung oder durch Zukauf. Die Diversifikation nimmt immer mehr ab.“ Sein eigenes Unternehmen nimmt er davon nicht aus: „Wenn wir bei Käthe Kruse schon in den schwarzen Zahlen wären, hätten wir bereits weitere Unternehmen übernommen.“ Dabei gehe es ihm jedoch nicht in erster Linie um Gewinnoptimierung. „Wir sind ein erweitertes Familienunternehmen und für uns ist es wichtig, unser Unternehmen nachhaltig in die Zukunft zu führen“, so Handstein. Auf seine Unternehmensphilosophie angesprochen, geht er noch weiter: „Wir möchten die Welt in einem besseren Zustand verlassen, als wir sie vorgefunden haben.“ Schaut man Käthe Kruses Puppen in die handgemalten Augen, könnte man fast glauben, dass es ihm gelingt.

www.hapetoys.com

www.kaethe-kruse.de

Titelbild: Käthe Kruse

Von Josef Kaiser