2018 landeten In Deutschland fast acht Millionen Retouren im Müll und das geschah, obwohl deutsche Online-Händler diese auch hätten spenden oder wiederverwerten können. Dr. Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg, sieht die Ursache vor allem in falschen Anreizen für den Handel.

Vier Prozent der im deutschen Online- und Versandhandel zurückgesandeten Waren werden entsorgt, dies entspricht ungefähr 20 Millionen Artikel pro Jahr. Dabei handelt es sich um Kleidung, aber auch um Elektro- und Freizeitartikel, Möbel und Haushaltswaren sowie Produkte des täglichen Bedarfs. In einer aktuellen Umfrage wollte Dr. Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg, den Hintergründen der hohen Retourenentsorgung auf den Grund gehen: „Mit dieser Studie liegen jetzt erstmals detaillierte Erkenntnisse über die Hintergründe der Retourenentsorgung vor“, erklärt Asdecker. „Dies ist wichtig, um daraus auf der politischen Ebene die richtigen Schlüsse ziehen zu können.“

Offensichtliche Ressourcenverschwendung

Das Ergebnis ermittelten Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg anhand einer Umfrage unter 139 deutschen Online- und Multi-Channel-Händlern. Die Umfrage brachte Licht ins Dunkel: „Eine Entsorgung ist oftmals alternativlos. So ist bei etwas über der Hälfte der entsorgten Artikel eine Wiederaufbereitung nicht möglich, weil sie beispielsweise defekt sind.“ Gerade in puncto Nachhaltigkeit, sei eine weitere Ursache besonders bedenklich: Die Händler müssen circa eine Million Produkte vernichten, weil Marken- und Patentinhaber ihnen das vorgeben. „Da sich diese Artikel meist in einem sehr guten Zustand befinden, handelt es sich hierbei um eine offensichtliche Ressourcenverschwendung“, so Asdecker.

Warum werden die Retouren nicht gespendet?

In knapp 40 Prozent der Fälle wäre es möglich, dass die Händler die Ware spenden könnten, sofern sich ein Abnehmer finden ließe. Warum werden dann die 7,5 Millionen Artikel pro Jahr nicht gespendet? In erster Linie liegt das an steuerlichen Gründen, dass die zu entrichtende Umsatzsteuer die Entsorgungskosten übersteigern würde. Zudem weißen vor allem kleine Händler daraufhin, dass es zu aufwendig wäre, eine geeignete Spendenorganisation auszuwählen. „Offensichtlich brauchen die Händler mehr Informationen darüber, wer Sachspenden in kleinen Stückzahlen annimmt“, interpretiert Asdecker.

Anreize für Händler bieten – Retouren Nachhaltigkeits-Siegel

Händler wählen somit auch eher die Entsorgung der Retouren, da die Kosten dabei sehr gering ausfallen, diese liegen im Durchschnitt bei 0,85 Euro pro Artikel. „Die Entsorgung ist offensichtlich kostengünstig und für Endverbraucher nicht transparent. Aktuell können Kunden nicht nachvollziehen, was mit ihren Retouren passiert“, so Asdecker. „Um Händler zu motivieren, sich aktiv für mehr Transparenz und eine geringe Entsorgungsquote einzusetzen, sind Anreize nötig, zum Beispiel ein Retouren-Nachhaltigkeits-Siegel.“ Die Befragten äußerten sich zu einem Verbot der Retourenvernichtung nach dem Vorbild Frankreichs eher kritisch. Asdecker sieht dies genauso: „Ein Verbot können Händler auf einfache Weise umgehen und eine effektive Kontrolle wäre mit unverhältnismäßig großem Aufwand verbunden.“ Stattdessen vertritt er die Meinung, dass „die Politik vorhandene Entsorgungsanreize und Spendenhemmnisse abbaut.“

 

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Link: Die aktuelle Studie der Universität Bamberg gibt erstmals detaillierte Erkenntnisse über die Hintergründe der Retourenentsorgung vor.

Bild: iStock – simonkr

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