Der Babyboom hält weiter an und treibt die Umsätze in der Kinder- und Babyausstattungsbranche voran. So gaben 2016 die Eltern für ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren nach Einschätzung der IFH Retail Consultants 2,5 Milliarden Euro aus. Dabei legen die Eltern einen großen Wert auf Qualität und Sicherheit.

Kinder sind das Liebste und Wertvollste der Eltern. Folglich liegt ihnen die Sicherheit ihres Nachwuchses sehr am Herzen. Nichts scheint gut genug für die Kleinen. Wenn es um die Auswahl von Spielzeug geht, sehen sich viele Eltern angesichts des riesigen Warenangebots einer schwierigen Entscheidung ausgesetzt.

Beim Umgang mit Spielzeugen und Kindermöbeln werden die Kleinen meist erfinderisch und stellen diese auf eine harte Probe. Hineinbeißen, auseinanderbauen und draufklettern zählt zum normalen Gebrauch der Kleinen. Damit der Nachwuchs dabei nicht zu Schaden kommt, sind die Sicherheitsanforderung an Baby- und Kinderprodukte hoch. In Europa gelten diesbezüglich bestimmte Richtlinien an die sich die Spielzeug- und Kindermöbelhersteller halten müssen.

Immer der Nase nach

Im Geschäft können Eltern anhand der Verarbeitung schon einige Spielzeuge vom Kauf ausschließen.

Achtung: Gehen von dem Produkt beißende Gerüche aus, weisen diese auf die Verwendung von Chemikalien hin. Bei Kuscheltieren können Auffälligkeiten, wie die Abfärbung von Stoffen auftreten oder das Ablösen von Fasern. Bei Holzspielzeug sollten Eltern darauf achten, dass dieses nicht verleimt ist, denn Leim kann Formaldehyd enthalten.

Generell sollten Stofftiere vor Gebrauch gewaschen werden und bei Holzspielzeug zu Vollholz gegriffen werden.

„Es gibt keine Deklarationspflicht für Spielzeug. Das macht die Kaufentscheidung nicht einfach. Sicheres Spielzeug erkennt man nicht mit bloßem Auge. Deshalb sollte man mit allen Sinnen kaufen. Wenn es nach Chemie oder nach Duftstoffen riecht, sollte man die Hände davonlassen. Auch wenn es sich künstlich und unangenehm anfühlt,“ rät Johanna Hausmann, Koordinatorin von Projekten zu Chemikalien und Gesundheit bei WECF.

EU Spielzeugrichtlinien

Beim Spielzeugkauf sollten Eltern auf die Warnhinweise auf den Verpackungen achten und die vorgegebene Altersbegrenzung einhalten. Des Weiteren sollte eine Adresse des Herstellers auf dem Produkt stehen und der Produktionsort in Europa sein. Denn in Europa müssen bei der Herstellung die EU Spielzeugrichtlinien (2009/48/EG) eingehalten werden. Demnach dürfen ausschließlich gesundheitlich unbedenkliche Spielzeuge in Umlauf gebracht werden und diese gefahrenlos verwendet werden können. Die EU-Richtlinie 2009/48/EG umfasst vor allem Vorschriften über mechanische-, elektrische- und Brandsicherheitseigenschaften von Spielzeugen.

„Der Hauptschwerpunkt bei der Sicherheitsprüfung im Rahmen der EU Richtlinie liegt darauf, dass sich das Kind am Spielzeug nicht verletzen kann oder in keine Gefahrensituation zum Beispiel durch lösliche Kleinteile oder durch eine leichte Entflammbarkeit kommt,“ erklärt Johanna Hausmann koordiniert Projekte zu Chemikalien und Gesundheit bei WECF.

Laut dem Spielzeughersteller TOMY Deutschland gelten für elektronische Spielzeuge der in den Normenlisten EN-71 und EN62115 festgelegte Standard. Weitere EU-Richtlinien, die zwar nicht spezifisch für die Herstellung von Spielzeug verfasst wurden, finden ebenfalls Anwendung: So untersagt EC 1907/2006 die Verwendung verschiedener Chemikalien aus Sicherheits – und Gesundheitsgründen. Die Richtlinie 2014/53/EU behandelt die Regelung für Spielzeuge mit Fernsteuerung.

„Besser ein Spielzeug mit Siegeln, als eines ohne“

Stofftiere sollten Eltern von Natur-Textilfirmen kaufen. Dabei kann man sich an dem Siegel Öko-Tex-100 orientieren. Das „spiel gut“ Siegel zeichnet schadstofffreies, umweltfreundliches und sinnvolles Spielzeug aus. „Der blaue Engel“ tritt bei Textilspielzeugen in Kraft.

Für geprüfte Sicherheit steht das GS-Zeichen. Ist ein Spielzeug mit dem Prüfzeichen vom TÜV Rheinland für zertifiziertes Spielzeug ausgezeichnet wurde dieses auf Schadstoffe geprüft.

Johanna Hausmann vom WECF weist Eltern daraufhin dem CE-Zeichen keine größere Aufmerksamkeit zu schenken, denn dieses wird keiner objektiven Prüfung unterzogen und richte sich lediglich an Behörden. Generell aber seih sie der Meinung das Spielzeuge die mit Siegeln ausgezeichnet wären, besser sind, als welche ohne.

Sicherheitstest: mit Kindermöbeln spielen

Im Kinderzimmer wird nicht nur geschlafen, sondern auch getobt und gespielt. Deshalb sollten auch Kindermöbel gewisse Sicherheitsaspekte erfüllen.

Laut Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie sollte bei Kindermöbeln auf die EU-Standards geachtet werden. Denn bei der Produktion in Europa wäre die Kontrolle der Inhaltsstoffe im Allgemeinen strenger.

Beim Kauf von Kindermöbeln sollte man wie bei Kinderspielzeug nicht auf das habtische Einkaufserlebnis verzichten. Denn auch hier geben Gerüche, scharfe Kanten oder Ecken schnell Aufschluss darüber, ob ein Produkt für Kinder geeignet ist. Kindermöbel sollten zu dem im Laden von den Eltern auf Kinderfreundlichkeit getestet werden. Dementsprechend sollten Eltern mit dem Möbelstück hantieren, wie es das Kind tun würde. Dabei sollten die Aspekte der Standsicherheit, Kippsicherheit und Quetschsicherheit getestet werden. Die Möbelstücke die mit einem Self-Soft-Close und Soft-Close-System ausgestattet sind, sorgen für ein sanftes und leises Schließen von Schubkästen und Türen – folglich kindertauglich.

Wegweiser für ein sicheres Kinderzimmer

Ursula Geissmann empfiehlt vier Prüfzeichen, die den Kauf von sicheren Kindermöbeln garantieren: „das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit, „der blaue Engel“ für emissionsarme Produkte, das TÜV Siegel zu Schadstoffen und das „Goldene M“ als ein allumfassendes Sicherheits- und Qualitätssiegel.“

Für ein ergonomisch geprüftes Möbelstück steht das AGR-Gütesiegel. Wenn ein Produkt das Siegel trägt, können sich Verbraucher darauf verlassen, dass es von der Aktion Gesunder Rücken e.V. geprüft wurde. Auch das FSC Siegel kann ein Indiz für ein sicheres Möbelstück sein. Das RAL-Gütezeichen gibt Aufschluss über eine gute Stabilität und Langlebigkeit eines Möbelstücks und steht zudem für die Verwendung giftfreier Lacke.

Zusätzliche Informationen für die Eltern

Öko-Test und Stiftung Warentest geben den Eltern zudem die Möglichkeit sich über sichere Spielzeuge und Möbelstücke zu Informieren und auf dem Laufenden zu halten. Auch die WECF Seite www.nestbau.info hält Informationen über sicheres Spielzeug bereit.

Spielzeugrichtlinien zum nachlesen:

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32009L0048&from=DE

 

www.oekotest.de

www.test.de

Bild: Shutterstock

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