Für viele Verbraucher ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Kaufargument. Doch welche Siegel sind hier empfehlenswert und wo informiert sich der Kunde?

Über die Hälfte der Deutschen (57 Prozent) interessiert sich stark für das Thema Nachhaltigkeit. Trotz des großen Interesses fühlen sich jedoch nur 41 Prozent gut über die Möglichkeiten des nachhaltigen Konsums informiert. Für Marken ist das eine sehr gute Möglichkeit, um sich im Themenumfeld Nachhaltigkeit mit entsprechender Werbung zu positionieren. Denn fast die Hälfte aller Deutschen (49 Prozent) empfindet es grundsätzlich positiv, wenn Marken mit dem Thema Nachhaltigkeit werben. Das sind einige der Ergebnisse der aktuellen Umfrage „Spotlight: Nachhaltiger Konsum“, die [m]SCIENCE durchgeführt hat. „In Zeiten von Greta Thunberg und der #FridaysforFuture-Bewegung boomt das Thema Nachhaltigkeit in Deutschland wie nie zuvor. Für die Markenkommunikation eröffnen sich vor diesem Hintergrund immense Potenziale, Konsumenten mit nachhaltigen Themen und Produkten anzusprechen und gezielt für sich zu gewinnen“, so Karin Immenroth, Chief Analytics Officer von [m]SCIENCE. Viele Unternehmen setzen in ihrer Außendarstellung auf Siegel, die die Nachhaltigkeit transparent machen sollen.

BTE gibt Empfehlungen in Sachen Siegel

Diese Auszeichnung soll gegenüber dem Kunden Vertrauen erwecken. Doch mittlerweile gibt es zahlreiche Siegel. Worauf gilt es zu achten? Zunächst einmal sollte ehrliches Interesse des Unternehmens dahinter stehen, so Immenroth weiter: „Authentizität ist in der Werbung beim Thema Nachhaltigkeit besonders wichtig. Der Großteil der heutigen Kunden ist sehr aufmerksam und hinterfragt Kaufentscheidungen ganz bewusst. Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit rein aus Image-Gründen widmen, werden heute schnell als Greenwasher entlarvt.“ Dann kann im zweiten Schritt ein Blick auf den Vergleich von Siegeln helfen. Der Handelsverband Textil empfiehlt hier die Initiative der Bundesregierung siegelklarheit.de. Dort werden die Label gegenübergestellt. Die Übersicht soll Verbrauchern beim nachhaltigen Einkauf helfen. Es gibt eine dazugehörige App, mit der die Kunden direkt beim Shoppen die Siegel nachschauen können. So finden auch Hersteller schnell die Siegel, die Konsumenten besonders ans Herz gelegt werden.

Siegel „GOTS“ wird besonders gelobt

Allein für den Bereich Textilien führt siegelklarheit.de rund 30 verschiedene Label auf. Besonders empfohlen wird das Siegel „GOTS Global Organic Textile Standard“. Er ist der weltweit führende Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Um das Siegel zu erhalten, gibt es umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und zudem Forderungen zur Einhaltung von Sozialkriterien. So müssen die Textilprodukte aus mindestens 70 Prozent biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Für alle eingesetzten chemischen Zusätze wie beispielsweise Farbstoffe und Hilfsmittel gelten bestimmte umweltrelevante und toxikologische Kriterien. Zwischen 1.200 und 3.000 Euro betragen die jährlichen Zertifizierungskosten für Betriebe mit einer Fertigungsstätte. Knapp 4.000 Mal wurde das GOTS-Siegel an Unternehmen aus der ganzen Welt bislang verliehen. Beim aktuellen Vergleich der Stiftung Warentest vom Juni dieses Jahres hat das GOTS-Zertifikat die Tester am meisten überzeugt.

Oeko-Tex sieht ein Umdenken bei den Verbrauchern

Als sehr gute Wahl deklariert siegelklarheit.de auch das Label „Oeko-Tex Made in Green“. Nach Meinung der Experten erfüllt diese Auszeichnung besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Umwelt und Soziales. Mit dem Made in Green-Label erhalten Verbraucher eine Bestätigung, dass der Artikel auf Schadstoffe getestet wurde. Zudem gibt es eine Zusicherung, dass das Textilprodukt mit nachhaltigen Prozessen unter umweltfreundlichen und sozialverträglichen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. Mit der Produkt-ID auf dem Label kann der Kunde zurückverfolgen, in welchen Ländern und Produktionsbetrieben der gekennzeichnete Artikel produziert wurde. Oeko-Tex hat kürzlich rund 11.000 Konsumenten in über zehn Ländern befragen lassen. Herauskam, dass immer mehr Millennials vor ihrer Shopping-Tour Marken recherchieren, die ihren Wertvorstellungen entsprechen. So gaben 45 Prozent der Teilnehmer an, dass sie Marken bevorzugen, die nachweislich verantwortungsvoll handeln. „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die junge Generation der Treiber für eine weltweite Veränderung sein kann“, so Georg Dieners, Generalsekretär der Internationalen Oeko-Tex Gemeinschaft.

Über 12.000 Mal wurde der Blaue Engel bereits verliehen

Ein Klassiker unter den Nachhaltigkeitslabeln ist der Blaue Engel. Seit 1978 gibt es das Umweltzeichen der Bundesregierung, mittlerweile kennzeichnet es über 12.000 Produkte und Dienstleistungen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Immer mehr Menschen achten beim Einkauf auf Produkte, die langlebig und umweltfreundlich sind. Genau dafür steht der Blaue Engel. Seit 40 Jahren garantiert das Umweltzeichen hohe Standards zum Schutz unserer Umwelt und Gesundheit – unabhängig und glaubwürdig.“ Seit diesem Jahr gibt es den Blauen Engel auch für Einwegwindeln. Als eines der ersten Unternehmen ließ dm seine babylove Öko Windeln zertifizieren. „Mit den babylove Öko-Windeln bieten wir Eltern ein nachhaltigeres Angebot im Bereich Babypflege. Da wir bei dm unsere Produkte stets weiterentwickeln möchten, ist der Blaue Engel für uns eine wichtige Auszeichnung. Er zeigt uns, dass wir bei der Entwicklung der Öko-Windeln gute Arbeit geleistet haben und auf dem richtigen Weg zu noch mehr Nachhaltigkeit sind“, so dm-Geschäftführerin Produktmanagement Kerstin Erbe.

Verbraucherschutz-Portal gibt Überblick über Siegel

Als weiteres Portal für den Vergleich von Auszeichnungen hat sich Label-online.de etabliert. Träger ist der Verein Verbraucher Initiative, gefördert wird das Angebot vom Bundesverbraucherschutz-Ministerium. Aus 15 Kategorien wurden dort rund 750 Zertifizierungen gesammelt und bewertet.  Für den Bereich Sport und Spiel gibt es derzeit 17 Einträge von gepa über RAL bis hin zum Blauen Engel Spielzeug. Für Bekleidung und Schuhe sind es 46 Label, darunter mit „besonders empfehlenswert“ die Siegel von alana, bluesign, cotton made in Africa, Der Blaue Engel Textilien oder auch das Fairtrade-Siegel Baumwolle. Das Portal empfiehlt zudem die neue Broschüre „Das ABC der Kennzeichnung“ vom RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung. Auf 90 Seiten gibt sie einen kompakten Überblick über 74 Kennzeichnungen.

Herausforderungen wie neue Player und Lieferanten

Für Unternehmen ist es oft schon nicht einfach, sich für das passende Label zu entscheiden. Zumal auch laufend neue Siegel aufkommen. So startete Anfang September der Grüne Knopf, ein neues staatliches Textilsiegel für nachhaltige Kleidung. Und auch nach erfolgreicher Zertifizierung können weitere Hürden warten. Was ist, wenn der Lieferant sich nicht an die Vorgaben hält und das Material nicht in der erforderlichen Qualität liefert? So gerieten in den vergangenen Monaten Kinderschuhe mit erhöhten Chromwerten, Kinderbecher mit Formaldehyd und Melamin oder auch Shirts mit erhöhten Azofarbstoffwerten in die Schlagzeilen. Hier sollte die gleiche Maxime gelten wie auch bei positiven Nachrichten: Neben der Schadensbehebung hilft schnelle, umfassende und transparente Kommunikation dabei, das Vertrauen wiederherzustellen.

 

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Link: Staatlich geförderte Portale wie Siegelklarheit   versprechen umfassende und seriöse Informationen über Siegel.

Bild: GettyImages

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