Am 23. Juli 2018 gab der Verein Spiel des Jahres e.V. in Berlin die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs um das beste Gesellschaftsspiel Deutschlands bekannt. Die Fachjury wählte Azul von Michael Kiesling zum Spiel des Jahres 2018. Der Preis für das beste Kennerspiel des Jahres ging an die Quacksalber von Quedlinburg von Wolfgang Warsch. Zum ersten Mal seit 2010 verlieh die Jury außerdem einen Sonderpreis an Pandemic Legacy 2 von Matt Leacock und Rob Daviau.

Gesellschaftsspiele gehören zu unserem Kulturgut. Um diese in Familie und Gesellschaft zu verbreiten, zeichnet der Verein Spiel des Jahres e.V. seit den 70er Jahren außergewöhnliche Spielideen für Erwachsene und Kinder aus. Am 23. Juli gab die Fachjury in Berlin nun die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs bekannt: Der Preis für das beste Spiel des Jahres 2018 ging an „Azul“ von Michael Kiesling, erschienen im kanadischen Verlag Next Move/Plan B Games. Als bestes Kennerspiel des Jahres wurde „Die Quacksalber von Quedlinburg“ von Wolfgang Warsch ausgezeichnet, das bei Schmidt Spiele erschien.

„Mit „Azul“ haben wir ein ruhiges, abstraktes Legespiel mit schönem Material gewürdigt“

Im Legespiel Azul geht es darum, mit der richtigen Taktik Zug für Zug die Wände des Palastes des portugiesischen Königs Manuel I. Mosaiken zu verzieren. Abhängig von der Position im Mosaik brauchen die Spieler mal viele Fliesen einer Sorte, mal wenige, um das Muster erweitern zu dürfen. Wer sich verspekuliert und zu viele Kacheln nehmen muss, büßt Punkte ein. Belohnt hingegen wird, wer zusammenhängend kachelt und am Ende vollständige Reihen und Spalten im Mosaik vorweisen kann. Die Fachjury, bestehend aus zehn unabhängigen Fachjournalisten, begründet ihre Entscheidung für Azul so: „Das abstrakte „Azul“ vereint vermeintliche Gegensätze: Die fast schon nüchterne Funktionalität des Spielbretts ist ein gelungener Kontrast zur wunderbaren Ästhetik des entstehenden Mosaiks. Die Haptik der Kachelsteine verstärkt den wertigen Eindruck. Allein das Material ist ein Genuss. Zudem ist Autor Michael Kiesling die Meisterleistung gelungen, einem einfachen Auswahlmechanismus so viel Tiefgang zu verleihen, dass dieser einen nahezu endlosen Wiederspielreiz auslöst.“

Nominiert waren neben Azul das Lauf- und Sammelspiel Luxor von Rüdiger Dorn sowie das Kartenspiel The Mind von Wolfgang Warsch.

„Ein schmackhaftes Gericht für Spielegourmets“

Im Kennerspiel des Jahres „Die Quacksalber von Quedlinburg“  geht es darum, aus allerlei ungewöhnlichen Zutaten immer wieder neue Tränke zu brauen. Nach dem Zufallsprinzip erhalten die Spieler ihre Zutaten. Mit den Erträgen aus den gebrauten Tränken können neue Zutaten gekauft und immer bessere Tränke hergestellt werden. „Das Köcheln mit zufällig gezogenen Zutaten sorgt bei „Die Quacksalber von Quedlinburg“ für Geschmacksexplosionen und für ein Feuerwerk der Emotionen. Schadenfreude, Jubel und Wehklage wechseln sich in schneller Abfolge ständig ab. Ein reines Glücksspiel? Nein, denn Autor Wolfgang Warsch lässt den Spielern dank des exquisiten Grundrezepts viele taktische Freiheiten beim Verfeinern. So wird aus der Tüten-, äh Beutelsuppe ein schmackhaftes Gericht für Spielegourmets“, begründet die Fachjury ihre Entscheidung.

Nominiert zum Kennerspiel des Jahres 2018 waren außerdem Ganz schön Clever, ebenfalls von  Wolfgang Warsch, sowie Heaven & Ale vom Autorenduo Michael Kiesling und Andreas Schmidt.

Sonderpreis für besonders herausragende Leistung

Zum ersten Mal seit 2010 hat die Jury außerdem einen Sonderpreis verliehen. Dieser ging an „Pandemic Legacy 2“ von Matt Leacock und Rob Daviau. „Die Autoren haben nicht nur Wert auf ein funktionierendes Spielsystem, sondern auch auf eine interessante Hintergrundgeschichte gelegt. Das Legacy-Prinzip verändert in spannender und manchmal überraschender Weise den Spielplan, die Spielkomponenten und die Regeln ständig. An diesem Spiel werden sich alle zukünftigen Legacy-Spiele messen lassen müssen. Die herausragende Leistung des Autorenduos würdigt die Jury mit einem Sonderpreis,“ so Tom Felber, Vorsitzender der Jury Spiel des Jahres.

Kritik an Qualität der veröffentlichten Spiele

Aus Hunderten Spielen wählte die Fachjury letztlich eine Liste mit besonders interessanten, spaßigen und originellen Spielideen. „Leider verstärkt sich der Eindruck, dass immer mehr auch sehr gute Spiele mit der heißen Nadel auf den letzten Drücker auf einen Veröffentlichungstermin hin gestrickt werden müssen, ohne dass der Verständlichkeit und Vollständigkeit der Spielregeln genügend Beachtung geschenkt worden ist. Wir haben wohl noch nie so viele an und für sich wirklich gute Spiele aussortiert wie in diesem Jahr, weil einfach ihre Spielregeln nicht die von uns geforderte Qualität erfüllten,“ so Felber.

Auszeichnung für beste Spielidee und Design

Für das Wahlverfahren wurden alle Neuerscheinungen im Bereich der Familien- und Erwachsenenspiele des laufenden sowie vorangegangenen Jahres berücksichtigt. Die Jury wählte aus diesen Neuerscheinungen insgesamt jeweils drei herausragende Spiele aus, die für die Auszeichnung zum Spiel des Jahres beziehungsweise zum Kennerspiel des Jahres nominiert wurden. Beurteilt wurden dann neben der Spielidee auch die Regelgestaltung, das Design sowie das Gesamtlayout. Darüber hinaus veröffentlicht die Jury jährlich Empfehlungslisten weiterer herausragender Spielideen im Bereich der Familien- und Erwachsenenspiele.

Lizenzgebühren für die Verwendung des Logos

Damit die Verlage mit dem Logo zum Spiel des Jahres bzw. Kennerspiel des Jahres werben dürfen, zahlen sie Lizenzgebühren an den Verein. Mit diesen Gebühren finanziert der Verein unter anderem ein Stipendium für Spieleautoren oder spielerische Projekte im Rahmen von Förderprogrammen.

 

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Link: www.spiel-des-jahres.com
Bilder: Spiel des Jahres e.V.
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