Die Toniebox ist das Lizenzprodukt des Jahres 2018. Luna Journal sprach mit Patric Faßbender, der zusammen mit Marcus Stahl die Toniebox erfunden hat, über die Lizenzbranche und die Gründung der Boxine GmbH.

Im Anschluss an den Licensing Market in München wurden die LIMA (International Licensing Industry Merchandisers`Association)-Awards übergeben. Die Toniebox der Firma Boxine GmbH wurde zum Lizenzprodukt des Jahres 2018 ausgezeichnet.

Die Toniebox ist ein digitales, kindgerechtes Audio-Abspielgerät für Kinder ab drei Jahren. Ziel ist ein interaktives Erlebnis zwischen Hören und Spielen. Der weiche Würfel mit digitalem Kern ist intuitiv bedienbar. Man stellt Hörfiguren darauf um das Hörspiel zu starten. Die Box wurde 2016 von den Vätern Patric Faßbender und Marcus Stahl auf den Markt gebracht und bisher 700.000 Mal verkauft. Sie ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz, der UK und Irland erhältlich.

Mit der Auszeichnung zum Lizenzprodukt des Jahres haben Sie einen begehrten Preis der Branche erhalten. Die Toniebox steht damit in einer Reihe mit Produkten, wie den berühmten Panini Sammelalben. Was bedeutet das für Sie als Unternehmen?

Patric Faßbender, Gründer von Boxine GmbH: Sehr viel! Es ist zum Einen eine Ehre in einer Reihe mit tollen anderen Produkten zu stehen. Zum Anderen zeigt es aber auch, dass die Branche unser Produkt nicht nur wahrnimmt, sondern eben auch zu schätzen weiß. Das ist eine großartige Bestätigung.

Sie besitzen Lizenzen bekannter Kultmarken wie Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Wie erklären Sie sich den Merchandise-Erfolg dieser Produkte? Welche ist Ihre profitabelste Figur?

Unsere Kunden wollen auch auf unserer Toniebox ihre Lieblinge hören. Nicht selten entscheiden auch die Eltern, was auf die Toniebox gestellt wir. Und entscheiden sich für Themen, die sie vielleicht noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Das erklärt den Erfolg der „Klassiker“ wie eben Benjamin Blümchen oder unsere Janosch-Titel. Im Allgemeinen kann man auch festhalten, dass gerade die Klassiker auch im Segment Hörspiel die erfolgreichsten Tonies darstellen.

Das Geschäft mit Lizenzen boomt in der Spielwarenbranche. Nach welchen Kriterien suchen Sie ihre Tonie-Figuren aus?

Zu Beginn vor allem durch das Kinderzimmer meiner Kinder getrieben und von der festen Überzeugung, mit unseren Tonies auch die Eltern abzuholen. Da wir inzwischen viel mehr Möglichkeiten haben als zum Start, schauen wir uns natürlich auch vermehrt Marktdaten an und sind im Austausch mit zahlreichen Lizenzgebern. Besonders wichtig ist für uns auch das Feedback unserer Kunden, die uns mit zahlreichen Wünschen kontaktieren.

Welche spannenden Lizenz-Themen sind für das neue Jahr geplant?

Besonders spannend ist für uns das Thema Playmobil mit der Hörspielreihe Playmos. Hier haben wir nicht nur ein tolles Thema, sondern auch ein neues Produkt mit dem Tonie-Clip. Dieser wird mit einer Original Playmobil-Figur verbunden und damit zu einem Tonie! Darüber hinaus erweitern wir unser Portfolio um viele andere tolle Lizenzthemen. Ein Highlight im Februar ist definitiv Feuerwehrmann Sam.

Sie bezeichnen die Digitalisierung als eine Bereicherung – auch im Kinderzimmer. Deutsche Eltern stehen digitalem Spielzeug eher verhalten entgegen. Nicht so bei der Toniebox. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Sie muss natürlich sinnvoll eingesetzt und kein Selbstzweck sein. Wir lösen ein konkretes Problem im Kinderzimmer und haben somit ein Produkt, welches Relevanz hat. Es ist digital in der Lösung. Aber der Anwender soll das gar nicht wahrnehmen, darum geht es gar nicht. Ja, es ist zum Teil digital, weil die Technik hilft, eine tolle User-Experience zu entwickeln und das sehen auch viele Eltern so.

Mit Lizenzprodukten und Digitalisierung greifen Sie zwei aktuelle Themenfelder der Spielzeugindustrie auf. Waren das für Sie ausschlaggebende Argumente für die Unternehmensgründung?

Nicht ansatzweise! Wie oben schon erwähnt ging es darum, ein konkretes Problem im Kinderzimmer zu lösen – kaputte CDs und damit eine ungenügende User-Experience im Kinderzimmer. Dafür eine kindgerechte Lösung zu entwickeln, stand im Vordergrund.

Sie möchten die Tonie-Box auch in Bildungsinstitutionen einsetzen. Wie möchten Sie dies in der Praxis umsetzen? Haben Sie diesbezüglich schon Erfahrungswerte sammeln können?

In der Tat setzen wir uns intensiv damit auseinander. Schon seit ca. 12 Monaten sammeln wir Erfahrungen in diversen Einrichtungen und lassen diese in neue Lösungen und Konzepte einfließen. Wie die Konzepte aussehen ist noch nicht spruchreif, klar ist aber, dass wir auch hier kindgerechte Lösungen im Kontext Bildungseinrichtung anbieten wollen und dort nicht einfach „nur“ eine Toniebox und ein paar Tonies vertreiben wollen.

Die Toniebox ist aus der eigenen „Not“ heraus entstanden. Sie haben für diese Idee ihre lukrativen Jobs aufgegeben. Was hat es mit der Gründungsidee auf sich? Wie würden Sie den Weg von der Idee bis zur Umsetzung beschreiben?

Das stimmt. Zum Glück war ich in einer beruflichen Phase die mich sehr für „Neues“ geöffnet hat. Ich war von Anfang an so sehr von dem Konzept der Tonies überzeugt, dass ich mich regelrecht darauf gestürzt habe die Tonies zum Leben zu erwecken. Glücklicherweise habe ich mit meinem Mitgründer Marcus Stahl einen Mitstreiter gefunden, der ebenso überzeugt war und sich mit mir gemeinsam in dieses Abenteuer gestürzt hat. Wir beide betonen immer wieder, dass es die schönste berufliche Zeit unseres Lebens ist. Eine großartige Phase, die wir als Geschenk empfinden. Wer kann schon von sich behaupten etwas „geschaffen“ zu haben, das viele Kinder da draußen glücklich macht!

Die Gründer ließen sich durch ihre eigenen Kinder inspirieren

Was raten Sie anderen Unternehmensgründern, die ihre Ideen in die Tat umsetzen möchten?

Vollgas geben und Spaß daran entwickeln, Herausforderungen zu meistern, denn davon gibt es zahlreiche. Ebenfalls sinnvoll ist, meiner Meinung nach, nicht alles als gegeben anzusehen und sich immer wieder Feedback zu holen und auszutauschen. Am besten mit Personen, die einem nicht nach dem Mund reden.

 

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Link: Toniebox Audiosystem als Lizenzprodukt des Jahres 2018 ausgezeichnet

Bild: Boxine

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