WGSN, das World’s Global Style Network, hat die Nachhaltigkeit in der Modebranche unter die Lupe genommen. Associate Editor Olivia Barnes führt im exklusiven Interview mit dem Luna Journal zahlreiche positive Beispiele an.

Was erwarten die Verbraucher heute von Modeunternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Olivia Barnes, Associate Editor von WGSN: Es hat einen großen Wandel in der Denkweise der Verbraucher gegeben. Im digitalen Zeitalter sind Informationen leichter zugänglich. Die  Menschen sind besser vernetzt und die Verbraucher sind besser informiert als je zuvor. In der physischen Welt zeigen sich die Auswirkungen der globalen Erwärmung, die durch persönliche Erfahrungen und Medienberichterstattung generationenübergreifende Aufmerksamkeit erregt. Daher erwarten die Konsumenten von Modeunternehmen Maßnahmen sowohl im Hinblick auf die ökologische als auch auf die soziale Nachhaltigkeit.

Welche positiven Beispiele haben Sie für nachhaltiges Handeln in Unternehmen?

Gegründet auf der Überzeugung, dass das Unternehmen keine Kompromisse bei den sozialen oder ökologischen Aspekten der Produktion eingehen sollte, ebnet Mini Rodini den Weg für nachhaltige Kindermode. Die Garantie, dass 99 Prozent ihrer Produktpalette aus nachhaltigen Materialien stammt, die Reduzierung von Abfall und giftigen Chemikalien und die Umsetzung eines lebenslangen Lohnsystems bis 2020 sind nur einige ihrer wegweisenden Initiativen. Das Bio-Babybekleidungsunternehmen UpChoose strebt auch eine nachhaltigere Zukunft für die Bekleidungsindustrie an. Das Trage- und Rückgabesystem reduziert Verschwendung und Kosten für den Verbraucher. Hier werden neue oder gebrauchte Produkte angeboten, die der Kunde im Austausch für neue Größen zurückgibt, sobald sein Kind aus der Kleidung herausgewachsen ist.

Die Abfallvermeidung ist für viele Verbraucher ein wichtiges Thema – Stichwort Zero Waste. Wie sollten Unternehmen hier aktiv werden?

Unternehmen müssen Abfälle aus allen Bereichen bekämpfen, von der Verpackung über die Produktion bis hin zum Recycling von Kleidungsstücken am Ende der Lebensdauer. In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie Unternehmen ihre Aktivitäten intensiviert haben. Sie haben ehrgeizige Ziele zur Abfallreduzierung und zum Recycling von Inhaltsstoffen angekündigt. Die Frage ist, ob sie in der Lage sind, diese Ambitionen mit Ergebnissen zu verbinden. Die Verwendung von Stoffresten, die Zusammenarbeit mit Recyclingsystemen und die Produktion in begrenzten Auflagen bieten solide Möglichkeiten zur Reduzierung von Abfällen vor und nach der Produktion. Das ist ein Modell, das von der Kinderbekleidungsmarke Soor Ploom erforscht wird. Aus zukunftsweisender Sicht beschäftigen sich Projekte von Stella McCartney und Adidas mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Sie entwerfen Schuhe entwerfen, die am Ende des Gebrauchs zerlegt und recycelt werden können, ohne Materialverlust oder Verschwendung.

Welche weiteren Trends sehen Sie im Bereich der Nachhaltigkeit, die für Modeunternehmen wichtig sind – insbesondere in der Kindermode?

Wir sehen ein enormes Potenzial und Wachstum im Wiederverkaufsmarkt. Dieses Modell ist in der Lage, gleichzeitig die Produktion und die Menge an Kleidung, die auf Deponien entsorgt wird, zu reduzieren. Während Resale-Plattformen seit langem Teil des Kinderbekleidungsmarktes sind, sehen wir neue Akteure wie ThredUp und Kids Collective, die die Second-Hand-Kleidungsszene neu erfinden. Auch die Einführung innovativer Materialien wird bei der Erweiterung der Faser-Auswahl und bei der Verwendung bevorzugter Materialien eine Rolle spielen. Im Bereich der Kinderschuhe hat Vivobarefoot einen Schuh entwickelt, der 10 Prozent Algen enthält. Und North Sea Sneakers arbeitet mit Fischleder, das als Nebenprodukt anfällt.

 

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Link: Das World’s Global Style Network widmet sich auch Themen wie der Nachhaltigkeit in der Modebranche.

Bild: pixabay

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