Hohe Kosten, noch viele offene Fragen – aber die befürchtete Abmahnwelle blieb bislang aus. Das ist das erste Fazit nach einem guten halben Jahr Datenschutzgrundverordnung DSGVO.

Ende Mai diesen Jahres ist die DSGVO in Kraft getreten und vielen Unternehmen trieb sie die Schweißperlen auf die Stirn. Wie genau muss der Umgang mit sensiblen Kundendaten aussehen? Was muss im Onlineshop, der Adressdatei oder dem Kundenbindungsprogramm geändert werden? Mit der Umsetzung waren viel Aufwand und hohe Kosten verbunden. Genaue Summen hat der Handelsverband Deutschland ermittelt. Demnach hat die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung die mittelständischen Händler in Deutschland bis Oktober rund 630 Millionen Euro gekostet. Besonders teuer ist dabei demnach die Umsetzung der vorgesehenen Informationspflichten. „Selbst für einfache Internetseiten umfasst die Datenschutzerklärung inzwischen oft drei bis fünf Seiten, für Internetseiten mit vielen Funktionen oft auch zehn bis 20 Seiten oder mehr. Die Verbraucher werden so mit Informationen überhäuft, die im Alltag für sie gar nicht alle zu erfassen und zu bewerten sind. Für Unternehmen verursacht die Erstellung dieser Informationen einen hohen Aufwand“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Zahlreiche Unternehmen brauchen externe Hilfe bei Umsetzung der DSGVO

Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bei der Umsetzung externe Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Und rund 40 Prozent schränken der Umfrage zufolge ihre digitalen Aktivitäten wegen der DSGVO ein. Denn: „Nach wie vor sind mit der Datenschutzgrundverordnung große Rechtsunsicherheiten für die Unternehmen verbunden“, so Genth weiter. Die befürchtete große Abmahnwelle ist zwar bislang ausgeblieben, aber erste Urteile und Bußgelder gibt es bereits. So hat der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg Ende November gegen einen großen Social-Media-Anbieter wegen einer Datenpanne ein Bußgeld von 20.000 Euro verhängt. Das Oberlandesgericht Hamburg entschied Ende Oktober, dass Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung von Wettbewerbern abgemahnt werden können. Laut Einschätzung von Juristen werden weitere Urteile folgen, um die DSGVO mit praktischem Leben zu füllen.

Experten fordern Rechtssicherheit

Diesen Zustand der Unsicherheit bemängeln Experten. Frederick Richter, Vorstand der Stiftung Datenschutz: „Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind oft völlig überfordert, die abstrakten Vorgaben auf ihren Wirkungsbereich umzusetzen. Unternehmen benötigen auf die jeweiligen Anwendungsbereiche zugeschnittene Orientierungshilfen, um sich DSGVO konform verhalten zu können.“ Die Stiftung bietet eine Informationsplattform, auf der sie relevantes Wissen unter anderem für verschiedene Zielgruppen wie Datenschutzbeauftragte oder Geschäftsführer gebündelt hat. Unternehmen wie der TÜV SÜD laden zu Seminaren ein, in denen die DSGVO und ihre Umsetzung im Mittelpunkt steht.

 

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Link: Der Handelsverband Deutschland hat ermittelt, dass die Datenschutzgrundverordnung DSGVO den Handel bislang 630 Millionen Euro gekostet hat.

Bild: iStock – Stadtratte

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