Recherchen des TV-Senders RBB haben ergeben, dass Outlet Center zum Teil bewusst Kleidung von geringerer Qualität verkaufen. Der Deutsche Textileinzelhandel sieht darin eine Verbrauchertäuschung.

Es ist für viele Marken ein lohnendes Geschäft. In sogenannten Factory Outlet Centern verkaufen sie ihre Waren zum günstigen Kurs. Nennenswerte Umsatzzuwächse und entsprechende Margen erzielten viele Modemarken heute nur noch über den Vertriebskanal Outlet, berichtet der TV Sender Rundfunk Berlin Brandenburg RBB. Deutschland gilt europaweit als größter und kaufkraftstärkster Markt mit rund 15 Outlets und einer Gesamtfläche von rund 235.000 Quadratmetern.

Führender Betreiber solcher Factory Outlets ist die McArthurGlen Group mit 23 Standorten in Europa. In dem vom Unternehmen betriebenen Shoppingcenter Berlin recherchierte der RBB die Qualität der dort verkauften Produkte. Das Fazit des Senders: „Die in Outlet-Centern angebotene Kleidung hat offenbar eine schlechtere Qualität als von den Herstellern versprochen.“ Es habe Auffälligkeiten gegeben, „die von schlechterer Verarbeitung und billigerem Material zeugen.“ Das reichte von minderwertigeren Nähten bis hin zu gröberen Stoffen und billigeren Knöpfen.

Handelsverband Textil vermutet eigens vorproduzierte Ware im Outlet

Das widerspräche dem Bild, das viele Verbraucher von Outlet Centern haben. Sie erwarten dort die gleiche Premium-Mode wie in anderen Geschäften, nur eben als Restposten zum günstigeren Preis. Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) bezweifelt, dass Outlet-Center überwiegend mit Restposten und B-Waren befüllt werden. Verbands-Sprecher Axel Augustin: „Wenn die Geschäfte aussehen wie in der Innenstadt, mit dem vollen Sortiment, allen Farben und Größen – dann muss die Ware eigentlich vorproduziert worden sein.“

Der BTE spricht sich gegen diese Praxis aus. „Die Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) sehen in diesen Praktiken eine unzulässige Täuschung der Verbraucher im Hinblick auf Qualität und Preis der angebotenen Produkte. Zudem führt ein solches Vorgehen zu einer rechtlich bedenklichen Verzerrung des Wettbewerbs zwischen FOC und z.B. Fachgeschäften und Warenhäusern, da der Verbraucher die Ware in diesen Einkaufsstätten fälschlicherweise oft als identisch wahrnimmt“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Verbände.

Praxis widerspricht oft den Nutzungsbedingungen

Erschwerend hinzukommt, dass der Verkauf eigens für das Outlet produzierter Waren offenbar oft den Nutzungsbedingungen widerspricht. Denn nach Informationen der Handelsverbände dürfen laut den meisten Mietverträgen in Outlets nur Alt- und B-Ware sowie Restposten verkauft werden. Daher haben BTE, BDSE und BLE 15 Kommunen mit Factory Outlet Centern angeschrieben und um Auskunft gebeten. Konkret fordern die Verbände, dass alle Bau- und Betriebsgenehmigungen sowie Mietverträge in Factory Outlet Centern lediglich den Verkauf von Alt- oder B-Ware sowie Restposten erlauben sollen. Zudem sprechen sie sich für ein Verkaufsverbot von Ware aus, die eigens für das Center produziert wurde. Kommunen und Outlet-Betreiber sollen mindestens einmal jährlich die Einhaltung dieser Forderungen überprüfen lassen. Bei Verstößen schlagen die Verbände Strafzahlungen vor, die der Stadt zugutekommen sollten.

 

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Link: Der Rundfunk Berlin Brandenburg hat die Qualität in Outlets angebotener Kleidung überprüft.

Bild: McArthurGlen

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